Jauch, der Polit-Talker

20.11.2006

Der Spiegel meldet, dass es die ARD scheinbar nicht mehr schafft, aus den eigenen Reihen vernünftig Nach­wuchs zu rekrutieren. Oder es zu­mindest erst gar nicht versucht, aus vorhan­denem Perso­nal neue „Anchor-(wo)men“ zu formen.

Was bei Frau Christiansen noch im Inter­esse von objek­tiver Bericht­erstat­tung tabu war, wie pikanter­weise aus­gerech­net vom Stern «Wir wollen unsere Bezieh­ung nicht für Werb­ung nutzen» berichtet wurde, hat Herr Jauch als Nach­folger bereits reich­lich im Gepäck: Werbe­verträge.

Da Herr Jauch gern als „Woman­izer“ darge­stellt wird, weckt es schon ein wenig Neu­gier, was er dem Artikel zufolge zukünftig nicht bewer­ben darf. Denn ein kon­kreter Erotik-Konzern wird zwar aus­geschlos­sen; Vibra­toren las­sen sich jedoch problem­los als „Ent­span­nungs­hilfe“ im Elektronik-Markt ver­kaufen. Herr Jauch würde das wohl mit einem Satz kom­men­tieren: «Ich bin doch nicht blöd». Stimmt ja auch: Er behält alles was er hat, be­kommt noch eine Prime-Time-Sendung dazu und das nennt die ARD dann „faires Ver­hand­lungs­ergeb­nis“.

Jauch als Christiansen-Ersatz? Es gäbe Schlimmeres.

Herr Jauch ist zweifellos eine anerkannte Per­sön­lich­keit im Fern­seh­markt und hat un­be­streit­bar auch Geschick bei Talk­runden bewiesen. Dass für eine re­nom­mier­te Talk­runde eine mittler­weile vor­nehmlich als Show­master bei Privatsendern bekannte Per­sön­lich­keit die einzig taugliche Wahl sein soll, zeichnet jedoch ein trauriges Bild vom Zustand des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Es als Ver­hand­lungs­erfolg dar­zustel­len, dass man wenigstens ein Veto-Recht hat, lässt die Entscheider bei „den Privaten“ sicher Schmunzeln. Die klären sowas wie in pro­fessio­nelles Unter­nehmen üblich: Wer gegen die Firmen­inter­essen verstößt, fliegt. Dazu gehö­ren typischer­weise auch gleich­artige Beschäf­tigun­gen bei Mit­bewer­bern.

Aber wir reden ja von den „öffent­lich-recht­lichen“. Da bildet sich eine intere­ssante Kultur heraus: Statt aus­pro­bieren und an­visieren verlegt man sich auf das ab­ko­pie­ren. Nur an einem Punkt gibt es dann doch einen mar­kanten Unter­schied: Die Unter­nehmen des Werbe­trägers Jauch bekom­men diese zusätz­liche Präsenz­zeit zu­künf­tig per Rund­funk­gebühr finan­ziert. Und - wen würde es wundern - vor und nach der Talk­runde unter­stützt dann vor­aus­sicht­lich ein freund­liches Unter­nehmen aus der jauch´schen Pa­lette die ach so arme ARD. Wetten dass…?

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