Aussitzen als Methode

25.04.2007

Es ist jetzt über einen Monat her, dass wir die GEZ um eine ordentliche Forderung gebeten haben. Wenn man bedenkt, wie die Fernsehfürsten uns im letzten Jahr die Ohren voll gejammert haben, dass es Ihnen doch so schlecht ginge und das Geld fehlen würde, erwartet man doch eine postwendende Reaktion. Denn eine Quelle muss sprudeln, wenn man sich daran laben will.

Karrikatur

Karrikatur mit freundlicher Genehmigung von GötzWiedenroth

Sooo dringend scheint es dann aber wohl doch nicht zu sein. Denn seit einer zweiten (!) Aufforderung, doch bitte dem Rechnungsbeleg eine ordentliche Forderung beizulegen, ist Funkstille.

Das ist so widersprüchlich, wie die Signale, die von der EU gesendet werden. Einerseits werden die Öffentlich Rechtlichen teilweise vom Haken genommen, anderseits wird vor zu hohen Gebühren gewarnt. Da wird ansatzweise verständlich, warum in den Privaten Auswanderungs-Reality-Soaps so einen Boom erleben — vom Irrsinn dahinter einmal abgesehen. Beachtlich, dass ausgerechnet einem Politiker Sorgen macht, dieses Affentheater könne zu einer „Zuschauer-Demokratie“ verkommen. Dass der Bürger die Politik nur noch als Sendefüller zwischen den Werbepausen wahrnimmt, könnte vielleicht dran liegen, dass die Herrschaften es einem wirklich leicht machen, sie lediglich für geld- und machtgeil zu halten (siehe „Sie können den Hals nicht vollkriegen“, etwa in der Mitte der Seite).

Was das jetzt alles mit den Rundfunkgebühren zu tun hat? Gar nichts und doch alles. Denn einerseits soll der Öffentlich Rechtliche Rundfunk unabhängig sein, andererseits ist „Waschen und Rasieren“ Beck der Vorsitzende des Rundfunkrats. Und SPD-Vorsitzender. Und Ministerpräsident im Rheinland-Pfalz. Und Kanzlerkandidat der SPD. Der Öffentlich Rechtliche Rundfunk ist also völlig frei von politischen Einflüssen.

So wie die GEZ das mit dem Beleg für die Forderung aussitzt, sitzt die Politik für die Öffentlich Rechtlichen aus, dass endlich mal eine ordentliche Buchführung her muss (siehe oben). Die Forderung ist nicht neu, nur mal wieder um zwei Jahre nach hinten vertagt. Eine Hand wäscht die andere. Damit „Waschen und Rasieren“-Kurt weiter zur Maybrit in die Talkrunde kommt, wird dann in den Nachrichten auch nur gemeldet, der „Streit sei beigelegt“. So relativ kann objektive Berichterstattung sein.

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