Für nix zu schade…

09.06.2007

Jeder kennt jemanden, der ungefragt über all´ seine Neigungen und Vorlieben plaudert. Manchmal ist das unterhaltsam, manchmal verwunderlich und manchmal peinlich. Gelegentlich auch alles zusammen.

Bei einigen ist es ist schamlose Unverfrorenheit. Für Letzteres gibt es in unserem Land eine Kaste, die sich augenscheinlich darauf spezialisiert hat: Farblose Berufspolitiker, die beim Bürger keine nachhaltigen Eindrücke hinterlassen, aber ambitionierte Karriereziele haben. Da es außer einem Karriereziel nichts Mitteilenswertes gibt, womit sie die politischen Ansprüche untermauern ließen, wird alles interessant, was so vor die Füße fällt.

Kurt „Waschen und Rasieren“ Beck wirbt für den SWR

Bild mit freundlicher Unterstützung des BDST Rheinland-Pfalz e.V.

So berichtet der Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz in seiner Ausgabe 6/2007 über ein neues Glanzstück politischer Unsensibilität vom ungekrönten Meister dieser Disziplin: Der „staatsferne“ SWR4 warb mit dem „unpolitischen“ Landesvater für den deutschen Schlager. Und damit es keiner übersieht wurden großflächige Plakatwände angemietet, von denen - frisch gewaschen und rasiert - Kurt Beck im XXL-Format milde auf seine Schäfchen schaut.

Mit GEZ-Gebühren wird hier Polit-Image aufgebaut. «Kurt sagt ja zum deutschen Schlager, sag du doch ja zu Kurt». Diese sublime Botschaft ging dann wohl sogar den ansonsten recht schmerzfreien Oberen des SWR — nach entsprechend offensiven Nachrfagen der Opposition und peinlichen verbalen Ausrutschern des Regierungssprechers — zu weit.

Der BDST zitiert dabei eine feinsinnige Äußerung des damaligen SWR-Intendanten Peter Voß: Die Sache habe ein „Geschmäckle“. Glücklicherweise erspart uns Voß oder der Artikel des BDST(PDF-Datei) eine Beschreibung der Geschmacksrichtung. Statt dessen ergänzt er dann noch ziemlich trefflich mit dem Hinweis, die Werbekampagne könne er «nicht als über die Maßen geglückter Nachweis der Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bewerten».

Wie überraschend wahr gesprochen.

Wenn sich selbst die Öffentlich-Rechtlichen über ihre Verstrickung klar sind und das sogar öffentlich aussprechen, wäre es vielleicht an der Zeit, dementsprechend endlich eine grundlegende Reform in Angriff zu nehmen. Allem Anschein nach gelingt es sowohl bei den ÖR als auch bei den Politikern jedoch recht gut, Erkenntnisse und Handlungen völlig voneinander zu entkoppeln. Ist halt keine Chance für die Karriere, die da vertan wird… .

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