Verarmung durch Vielfalt

12.08.2007

Der Saarländische Rundfunk will mangelnde Größe jetzt durch Masse kompensieren. So sollen ab morgen (13.08.2007) sieben Sparten­programme das Internet bereichern. Dass hat in mehrfacher Hinsicht natürlich Widerspruch ausgelöst.

Besonders fragwürdig ist der Umstand, dass hier offenbar erst eine Lücke im Rundfunk­staats­vertrag diese Programm­ausweitung möglich macht. Die computer­gestützte Wiederver­wertung bereits versendeter Inhalte lässt Rückschlüsse auf das anstehende „Qualitäts­programm“ erahnen.

Das Verfahren als solches ist ja hin­länglich bei den Öffentlich Rechtlichen etabliert. Es genügt ein Blick in eine beliebige Fernseh­zeitschrift. Da lässt sich sehr gut verfolgen, wie Sendungen durch die Sender­familie gereicht werden. Das nennt sich dann „Regionalprogramm“. Dank Satelliten-Transfer lässt sich so ein Tag wählen, an dem der Hallig-Bauer seine geliebte Heimat­sendung aus den Alpen sehen kann.

Wenn weitere Öffentlich Rechtliche Webchannel-Angebote das Sortiment anreichern, kommt die selbst ohne Internet schon verfügbare einfältige Vielfalt dem Schritt zum „personal broadcast“ wieder ein Stück näher. Offenbar folgen die Anstalten dem Slogan eines deutschen Sicherheits­unternehmens, dass sich der Spam­bekämpfung (wie passend…) verschrieben hat:

«Die Wichtigkeit einer Nachricht sinkt mit der Anzahl Ihrer Empfänger.»

Ergo:

Rundfunk soll wieder wichtig werden. -> Wir brauchen weniger Nutzer pro Sender!
Was natürlich im Widerspruch zu Marktanteilen steht; wer die größten hat wäre demnach ein Looser. Vielleicht bauen aktuelle Sendungen von ARD und ZDF da bereits vor!

Und weil jeder Bürger nur ein paar Cent bezahlt, geht das eben nur mit Recycling. Der Qualitäts­anspruch ist jedoch stets im Blick; — die nächste Gebühren­erhöhung wird da weitere Möglichkeiten eröffnen. Drängt sich nur die Frage auf, wofür die Gebühren gedacht sind. Einige davon finden sich im Widerspruch gegen die PC-Gebühr. Auch andere fragen das laut:

«Sind öffentlich-rechtliche Musik­abspiel­stationen etwa das, was der Gesetz­geber unter Grundver­sorgung versteht?»
Oliver Dunk, Geschäftsführer Oldiestar Radio im Tagesspiegel

Generell sollen die Anstalten per se viel dynamischer werden. «Freie und offene Inhalte waren und sind unsere Aufgabe», ließ ARD-General­sekretärin Verena Wiedemann verlauten. Daher sollen Infos auch nur noch sieben Tage lang frei zugänglich sein. Dann heißt es: Ab in die Versenkung, im ÖR-Jargon „Rundfunk­archiv“. Selbst Indiana Jones hätte da wohl Probleme, einen versunkenen Schatz zu heben. Zumindest äußern das recherche­willige Journalisten und Bürger. Weniger eindringlich und gut verklausuliert wird erwähnt, dass mit Gebühren­geldern erhobene Informationen anschließend wohl nur noch gegen erneute Bezahlung entschlüsselt angeboten werden. Also hier ebenfalls Recycling. Und Recycling kostet, siehe „Grüner Punkt“ oder Müllgebühren. Vielleicht ist das jetzt etwas kleinlich, aber „frei und offen“ sieht üblicherweise anders aus.

Spätestens mit dem Bekenntnis zu „Masse und Recycling“ vs. „Qualität und Aktualität“, „Mainstream vs. Randthemen“ lässt sich immer deutlicher und leichter heraus­arbeiten, dass der Rundfunk­staats­vertrag lediglich das Geld­einsammeln legitimeren soll. Um den dort inhaltlich ursprünglich beschrie­benen Auftrag scheren sich die Anstalten offenkundig kaum noch. Höchstens im Nachtprogramm als Antwort auf „Ruf — mich — an — !“ Werbung der Privaten.

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