... schmeckt nicht!

19.10.2007

Sie kennen vielleicht den Spruch mit den Millionen Fliegen und der natürlichen Ausscheidung von verdautem Essen. Diese These wird mittlerweile wohl gern von Herrn Raff als öffentlich rechtliche Meinung vertreten. Was sonst könnte so Ausfälle wie „Werbung ist Lifestyle“ erklären? Oder als Erklärung für eine Heerschar von Übertragungswagen, dass Politiker sauer wären, wenn sie nur wenige Mikros vor der Nase hätten? Gebührenverschwendung ist demnach Politikerbespaßung?

Jedes Monopol macht fett.
Roger Schawinski, Ex-Sat-1-Chef

Fett wird, wer übermäßig frisst. Das muss dann verdaut werden und reicht für viele Fliegen. Zumindest ist das wohl der Anspruch das Tages- und zunehmend auch des Abendprogramms der öffentlich-rechtlichen Anstalten.

Was meint Herr Raff denn, wenn er sagt: «…dass wir natürlich auch wechselnde Minderheiten bedienen»? Nicht nur „Marianne und Michael“ sondern auch mal „Heino“?— Uups! — das waren jetzt genau diejenigen, die dem Jugendwahn der ARD geopfert werden. Leider greift dieser Wahn nicht bei den Führungskräften um sich. Da wäre der potentielle Vorruheständler Herr Raff wohl ebenfalls fällig.

Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass wirtschaftliches Denken und Handeln offenbar kein Ausbildungsbestandteil deutscher Beamter ist. Das belegt jährlich eindrucksvoll das Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler. Und es erklärt, warum Herr Raff immer nur auf «mindestens aufkommensneutral» pocht, aber nicht erklären kann, was denn im Detail mit diesem Aufkommen und dem stetigen Mehrbedarf geschieht.

So recht überzeugt ist man bei der ARD von der Verjüngung wohl nicht, sonst würde man den jugendlichen „B-Promis“ ja wohl kaum in Ehren ergraute und ebenfalls der Zielgruppe entalterten Show-Größen als Aufsichtspersonen zur Seite stellen. Statt innovativer Konzepte werden den Privaten — Kohle ist ja da — die Leute weggekauft und deren Konzepte erbärmlich offensichtlich abgekupfert.

Aber das stört einen Schloßbewohner wie Herrn Raff nicht. Dem geht es „ums Ganze“. Wobei es ihm nicht gelingt den Eindruck zu vermitteln, er meint damit das Programm. „Das Ganze“ sind für Ihn offenbar reichlich Sender, die wachsen und gedeihen sollen — für was und wen auch immer.

Zumindest mit der «Digitaloffensive», die von Herrn Raff gern als Hauptbegründung für die Geldnöte der öffentlich-rechtlichen angeführt wird, könnte er sich ein Eigentor geschossen haben. Denn die Prüfung des Angebots im Internet könnte neben der Absage der KEF zum nächsten Fiasko führen:

Gerade die "alten" Programme aus Shows und teils traditionsreichen deutschen Serien geraten zunehmend und zurecht in den Ruch, intellektuell nur rudimentäre Ansprüche zu stellen.
Auszug aus dem Artikel „Der dickste Haufen", Spiegel-Online

In der vom Spiegel zitierten Online-Studie aus den USA kann ein Online-Angebot im Web nur durch Qualität bestehen, nicht durch Masse. Und da alles «von Drüben rüber schwappt” könnte der „ignorante Zuschauer“ (fiktiver Auszug aus einem zukünftigen Interview eines ARD-Vorsitzenden) die öffentlich-rechtlichen durch Schmähen des Angebots mitten hinein reiten. In den Haufen. Denn spätestens dann muss irgendwer diese gewaltigen Fehlinvestitionen erklären und eine gute Begründung dafür finden, warum etwas Sinnloses mit Gebühren belegt wird.

Die Landespolitik drückt sich erneut um eine Reform der Gebührenfinanzierung und will sich nun im Sommer 2008 dazu äußern. Immerhin will man auch mal den Programmauftrag näher definieren. Vielleicht springen dann ja Mindestquoten für Mikrofone vor Politikern heraus.

Nur mal als Vergleich:

Die BBC, die als Vorbild für unser Rundfunksystem diente, geht mittlerweile andere Wege. Man plant, 2500 Stellen abzubauen, eben weil man mit weniger Gebühren auskommen muss. Ja, das geht wirklich. Scheinbar nur nicht in Deutschland.

Und Werbung wird zumindest innerhalb von Großbritannien dort weiterhin nicht zu sehen sein. Die zählt dort als Makel und nicht als Lifestyle...

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben