Wo man frisst, scheißt man nicht
30.10.2007
Das waren noch Zeiten, als RTL, SAT1, ProSieben und wie sie allen heißen, einen Gegner hatten: „Die Öffentlich-Rechtlichen“. Das war ein Glaubenskrieg, da wurde gehetzt, gefrotzelt und gestritten. Man erinnere sich nur an die Highlights des investigativen Journalismus, die den Finger in die Wunde legten. Und jetzt? Alles vorbei?
«Privatsender wollen Anteil an GEZ-Gebühren» titelt die Netzeitung. Das ist in etwa so, als würde der Dalai Lama beim Papst anklopfen, weil er von der Kirchensteuer was abhaben will.
Wo bleiben dann die bissigen Angriffe, dass „sichere Kohle satt macht“? Wo bleibt dann der Wettbewerb? Und viel schlimmer: Das Feindbild in der deutschen Rundfunk-Landschaft?
Die Berührungsängste aus den Anfangszeiten sind schon lange vorbei; da besucht man sich munter gegenseitig in seinen Sendungen, weil „richtige“ Gäste den Burgfrieden stören könnten. Ergänzt um eine gut organisierte Gruppe schmerzfreier B-Promis hat man immer wen, den man zu irgendwas einladen kann. Welcher Zuschauer will schon neue Gesichter in Talk- oder Spiel-Shows.
Spätestens wenn Jauch (Möchtegern aber dann doch nicht Öffentlich-Rechtlicher und deshalb weiterhin Privatsender-Magnet) bei Schmidt und Pocher (Möchtegern Öffentlich-Rechtliche Magnete) den Geburtshelfer mimt, dann ist das wohl der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Wenn alle aus dem selben Napf fressen, bleibt nur die Frage: Was ist dann gut, was böse? Bisher war das einfach. Die Guten (aus Ihrer Sicht die Öffentlich-Rechtlichen) schimpften auf die bösen Privaten und die Guten (aus Ihrer Sicht die Privaten) schimpften auf die bösen Öffentlich-Rechtlichen.
In Zukunft schimpfen die Guten (aus Ihrer Sicht die Öffentlich-Rechtlichen und die Privaten) dann auf die Bösen.
Wagen wir mal einen zaghaften Blick in die Zukunft. Da wird zum feierlichen Zusammenschluss der Gebührenverbündeten zeitgleich auf allen Sendern die Tagesschau gesendet:
Die neue Tagesschau-Moderatorin Naddel verkündet, dass die GEZ ab sofort mit polizeilichen Rechten ausgestattet ist, Widerstand wäre also zwecklos. Dann schwingt sich Sonja Zietlow an einer Liane ins Studio und ruft im vorbeischwingen in die Kamera, dass alle, die sich über „hemmungslose Gebührenabzocke“ beschweren, entweder zu ihr ins Dungelcamp müssen oder alternativ nach Ko Samui auswandern dürfen. Bis auf die drei Tsunamis im Jahr wäre es da wunderschön.
Oder einfach Fresse halten.
Es könnte natürlich alles auch ganz anders kommen.

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