Die Aktie Nichtzahler

07.01.2008

Am Lamento der Rundfunkanstalten gemessen sind asozialen Rundfunkgebühren-Verweigerungs­terroristen eine viel realere und größere Bedrohung für den Weltfrieden als die paar Versprengten, die sprengen. So haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten zwar so manchen Trend verschlafen bis verpennt. Aber beim Kampf gegen die Störer des Weltfriedens sind sie schon seit Jahren ganz vorn dabei. Die schärfste Waffe gegen das schreiende Unrecht sind an der vordersten Front die „Rundfunk­gebühren­beauftragten“.

Von allen gehasst, von der Presse geschmäht, müssen diese armen Kreaturen ihr Leben in dunklen Höhlen fristen, ohne Freunde, ohne soziale Anbindung. Ein unmoralischer Hundezüchter nutzt solche Lebensumstände für die Züchtung hochagressiver und unberechenbarer Hunde. So gesehen wären ausgegrenzte, schlecht ausgebildete türkische Spätaussiedler die perfekte Ausgangsmasse für höchst effektive Jäger der Gebühren­entzieher. Aber lesen und Formulare ausfüllen müssen die halt schon können. Da rächt sich die schlechte Bildungs- und Integrations­politik der vergangenen Jahr(zehnt)e. Und dann wären die Betroffenen Jugendlichen ja nicht mehr so aggressiv und keinesfalls mehr wahltaugliches Propaganda-Material. Ein Teufelskreis.

Also müssen die Rundfunk­anstalten mit dem letzten verbliebenen, aber hochwirksamen Lockstoff Anwärter suchen: Mit Geld. Wie dem aktuellen Spiegel (Heft 2/2008, S. 88) entnommen werden kann, lässt es sich als „Rundfunk­gebühren­beauftragter“ ganz gut aushalten. So lange man „Kundschaft“ hat. Allerdings wird dieser Markt nach jeder erfolgreichen Jagd kleiner. Wobei eineinhalb erlegte Gebühren­flüchtlinge pro Woche für ein Jahresgehalt von ~ 31.000 € ausreichen, wenn anhand der im Spiegel genannten Zahlen im Mittel fünf Jahre Nachzahlung angenommen werden.

Es ist wie die Jagd nach „Spreng­terroristen“. Nur bei einer Bedrohung lassen sich Gegenmaß­nahmen rechtfertigen. Eine GEZ und Rundfunk­gebühren­beauftragte sind nur so lang legitim, so lange nicht alle Rundfunk­steuer zahlen. Deshalb darf das nicht so heißen: Denn eine Steuer zahlt jeder. Die Anstalten wollen zwar dass jeder zahlt. Das wäre verwaltungs­technisch viel einfacher und übersichtlicher. Aber das wollen die Anstalten nicht.

Das wäre dann ja so, als ob die USA Osama gefangen hätten. Womit lassen sich dann Öl-Kriege begründen? Weil der wie auch immer gewählte Volksvertreter Mundgeruch hat? Also teilt man sich die subversiven Nichtzahler gut ein. Bringt außerdem mehr Provisionen. Denn würde man alle nach einem Jahr schnappen, gäbe es nur ~ 6200 € im Jahr. Damit lässt sich nicht mal ein Harz IV Empfänger motivieren.

Daher lautet der Plan: Jammern und nichts tun. Denn wie sagte ein großer Aktienguru mal: Eine Aktie muss man 20 Jahre liegen lassen. Dann bringt sie den höchsten Ertrag.

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