Keine Werbung – mehr Demokratie!
17.01.2008
Herr Raff macht seinem Namen Ehre: Er rafft es nicht. Denn offenbar hat er noch nicht verstanden, was die öffentlich-rechtlichen Sender sind: Ein unabhängiges Informationsangebot für die Bürger. Dass die Wirtschaft dort präsent sein will, ist kein Auftrag, dem sich die Anstalten beugen müssen. Auch dienen die Anstalten nicht dem Erhalt der Werbeindustrie. Vielmehr zeigt es nur, dass die Wirtschaft die manipulativen Möglichkeiten dieses Mediums erkannt hat und nutzen will.
Allerdings haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten vor dieser Möglichkeit eine Hürde aufgebaut: Die Kasse. Für die olympischen Spiele 2008 gibt es da eine ARD-Ansage: Zwischen 8.700 Euro und 43.050 Euro für 30 Sekunden. Der Auftrag der gebührenfinanzierten Sender lautet – und wird wenn es eng wird gerne zitiert – man müsse auch die Minderheiten versorgen (Alte, Junge, Arbeitslose, Beschäftigte, Selbstständige, Rentner, Hessen, Sachsen, Bayern, usw.).
Doch da klemmt es. Für Großdiscounter sind diese Preise genial: Da wird mit Rabatten geworben, die Resonanz spielt den Spot locker ein und – das ist mindestens ebenso wichtig – hält die „kleinen Krauter“ auf Abstand. Denn die können nicht mal eben 8.700 EUR aufwärts für 30 Sekunden Werbezeit in die Hand nehmen. Vor allem: Da muss ja noch was gesendet werden, sprich: Ein Spot muss her. Denn kann man sich zwar für „ab 2.000 EUR“ beim Hessischen Rundfunk produzieren lassen (mit 20% Rabatt - man hat ja dank Gebühren etwas mehr Spielraum als ein privater Anbieter), aber ein Blick in dessen Vorabend-Programm lässt erahnen, wie der dann aussehen könnte. Dann lieber beim Discounter eine Videokamera kaufen und selbst drehen. Da hat man dann wenigstens etwas Bleibendes, nämlich die Kamera.
Gäbe es ein Werbeverbot, wäre das kein Thema mehr: Denn wenn keiner darf, nützt alle Marketing-Kohle der Welt nicht. Und außer Herrn Raff glaubt wohl keiner, dass Werbung für Mittel gegen Harndrang, Kopfschmerztabletten und Bestattungsunternehmen Lifestyle sind. Wenn Herr Raff als Gegenargument ins Feld führt, dass dieses Geld dann anderweitig vom Verbraucher eingesammelt werden müsste, sei eine Frage erlaubt: Fällt die Kohle z.B. für die Pharma-Industrie vom Himmel? Dank Gesundheitsreform könnte man das meinen. Aber die zahlt – oh Wunder – der Verbraucher. Und die Discounter und Großunternehmen werden die Preise schon passend kalkuliert haben. Wenn weniger Geld für Werbung ausgegeben würde, könnte das - zumindest in der Theorie - zu niedrigeren Preisen führen.
Sehr geehrter Herr Raff: Der Verbraucher ist so oder so der gekniffene. Dafür könnte man doch mal eine schöne, werbefreie Zone schaffen. Für viele wäre das womöglich ein echtes Argument, mal wieder bei den ÖR´s rein zu zappen. Einen Film oder Sportveranstaltungen ohne Werbeunterbrechungen und Einblendungen ansehen — das ist Lifestyle!

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