Das Internet gehört allen

30.08.2007


Dagmar Reim, RBB-Intendantin

Wenn Frau Reim das sagt, hat sie recht. Genau deshalb bekommen die öffentlich-rechtlichen ja Prügel. Denn niemand kann verstehen, warum ein Einzelner dafür Gebühren kassieren darf.

Im Internet gelten einfache, aus dem Leben gegriffene Regeln:

  • Wenn ich für etwas Geld will, dann muss ich es entsprechend schützen. Entweder durch einen Zugangscode, eine gebührenpflichtige Mitgliedschaft am Eingang, o.ä.
  • Ich sorge durch ein interessantes Angebot für Besucher und Verweise auf meine Seiten. Dort biete ich dann neben allgemeiner Information ggf. Kostenpflichtiges an, bitte um Spenden, mache Werbung für Geld oder bin einfach ein guter Mensch

Dass die über 80 Sender, die für unsere „Grundversorgung“ bereit stehen, es anders haben wollen ist das eine. Dass sie es aber auch anders bekommen, ist mehr als fragwürdig. Oder haben Sie schon einmal Eintritt für ein Kaufhaus bezahlt? Das ist nämlich der feine, aber entscheidende Unterschied: Bei Aldi, Lidl und Co kommen Sie sogar kostenlos wieder heraus, wenn Sie nichts erwerben. Eigentlich verwunderlich, dass die Lebensmittelketten keinen Eintritt nehmen, denn letztendlich stehen die wirklich für „Grundversorgung“.

Sogar bei Strom und Wasser kann ich mich frei entscheiden. Wenn ich Kerzenschein vorziehe und lieber aus Regenpfützen schlürfe, darf ich das in Deutschland! Es gibt keinen Grundversorgungszwang. Naja. Außer bei der unwichtigsten Versorgung, die es als Angebot gibt: Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Das ist mittlerweile in wachsendem Maß sinnlos. Denn statt mit der Chipstüte in der Hand und Füßen auf dem Sofa bei „Gesundheitsmagazin Praxis“ den Bericht über die immer dickeren Deutschen zu verfolgen, wären ein paar Runden im Stadtpark vielleicht zweckmäßiger. Oder nützt die Information wirklich irgend wem, dass ein ausgelullerter B-Promi irgendwo auf einer Ferieninsel ein Heititei-Geschäft eröffnet, in dem Stundensätze gefordert werden, für die erschreckend viele Deutsche mehrere Tage arbeiten müssen?

So freut sich die Telekom über mehr als 10.000 Nutzer von IPTV. Mit ARD und ZDF im Boot kann man da schon mal ein paar Euro in die Hand nehmen. Ist halt auch auf absehbare Zeit nur was für Auserwählte in Ballungsgebieten. Die „fünfstellige Zahl“ muss aber auch „grundversorgt“ werden. Weil die ja außer dem teuren Technik-Schnick-Schnack sonst keine Möglichkeiten mehr haben. Und wenn man da nicht mit machen würde, gäbe es ja dann keine Gebühren für.

Aber es tut sich was. Denn jetzt melden sich „bekennende Wähler“ zu Wort. Die wollen, dass Ihre Oberen den Worten Taten folgen lassen. Das könnte womöglich mehr bewirken, als alle Prozesse, die sich führen lassen. Wenn das „Stimmvieh“ rumzickt, wird es enger für die Herrschaften im Wolkenkuckucksheim. Die müssen sich dann schon mal fragen, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk für sie da ist, oder für den Bürger. Sollte klar sein, ist aber offenbar etwas in Vergessenheit geraten. Dann stellt sich der ein oder andere „da oben“ womöglich sogar die Frage, ob es wirklich immer mehr Geld geben muss. Ob es womöglich schon zu viel ist. Denn Geld ist keine Garantie für Qualität. Einfach mal Vorabendprogramm bei den Öffentlich-Rechtlichen schauen und sie wissen Bescheid. Bei den Privaten kriegen Sie den Schmonz werbefinanziert. Das ist deutlich weniger Geld, geht aber offenbar auch. Also vielleicht einfach mal den eigenen Tipps zuhören: Runter vom Sofa (=üppige Gebühreneinnahmen), mehr Bewegung (=innovative Ideen) und ab in den Park (=Alternative schaffen).

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