Wo spielt die Musik?

03.05.2010

Keine Fahrkartenausgabe Hauptbahnof Termini, Rom
Hauptbahnhof Termini, Rom

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Insbesondere, wenn Rom das Reiseziel ist und Eyja­fjalla­jökull Husten bekommt. Dann wird Rom im unerfreu­lichen Sinne zur „ewigen Stadt“, denn man kommt ewig nicht weg. Besonders schmerzhaft wird das, wenn man im Hotel­zimmer zwar SAT-Empfang hat, aber da lediglich das ZDF empfangen werden kann. Steckt man selbst „mittendrin“, offenbart sich äußerst beeindruckend die Banalität und Ober­flächlich­keit der öffentlich-rechtlichen Bericht­erstattung.

So ist es nicht wirklich informativ, einen Reporter im Frankfurter Flughafen in die leere Halle zu stellen und ständig dasselbe erzählen zu lassen. Der hat seinen Job zwar tapfer gemacht, denn es ist wirklich nicht einfach, von einem Ort zu berichten, an dem schlicht überhaupt nichts passiert. Was nicht verwundert, wenn Starts und Landungen verboten sind. Die Frage, warum uns Kanzlerin Merkel über Portugal nach Rom und dann per Auto weiter nach Deutschland reiste, stellte man sich beim ZDF offenbar nicht. Ins­besondere die all­gemeinen Konse­quenzen für Reisende. Die Idee, nach Rom zu fliegen hatten nämlich viele, nur war das nicht fertig gedacht. Denn von dort flogen halt auch keine Maschinen Richtung Deutschland.

Wenn dann der Wagentross der Kanzlerin durch Rom donnert (oder Silvio nur zum Essen fuhr, das war aufgrund abgedunkelter Scheiben nicht zu differenzieren), merkte man, dass alle Menschen gleich sind, manche halt gleicher. Uns Angela bekommt Autos aus der Heimat, die sie nach Hause bringen. Unsereins muss einfach akzeptieren, dass es für die nächsten fünf (!) Tage weder Fahrkarten mit der Bahn (die hatten geschäfts­tüchtige Reise­büros aufgekauft, wussten aber nur wenige und ein verlängerter Aufenthalt war eine echte Alternative zu den geäu­ßerten Preis­vor­stel­lungen) noch Miet­wagen Richtung Norden (die fuhren alle schon, aber fast keins zurück) bekommen konnte. Der letzte Ausweg, mit einem Bus­unter­nehmen reisen, dass Ihnen anbietet, Sie im Ziel­gebiet „an der Autobahn“ aussteigen zu lassen, war spätestens nach Aufruf der Ticket­kosten keine. Dann doch lieber Rom, wo man im Hotel das Zimmer verlängern und ZDF sehen kann.

Allerdings hat man spätestens am zweiten Tag kapiert, dass „ZDF“ womöglich für „zeigen dünne Filmchen“ oder „ziemlich dumme Fragen“ stehen könnte. Denn der informelle Nährwert der Berichte im „Zweiten“ lag irgendwo zwischen „ist halt auf Deutsch“ bis „bei BBC läuft gerade Werbung“. Selbst das italienische Programm war – trotz Unkenntnis der Sprache – informativer. Glücklicher­weise hatten wir im Hotel Internet-Zugang und konnten so selbst feststellen, dass alle Flug­gesell­schaften logistisch in dieser Situation mehr oder weniger versagten. Beim ZDF kein Wort davon, dass man ältere Menschen aus Ägypten nach Rom schaffte und sie dort ihrem Schicksal überließ. Oder von Pauschal­reisenden, die „erst mal aufs Fest­land“ geflogen wurden und dann ohne Sprach­kennt­nisse und Geld auf dem nicht sonderlich einladenden Flughafen Fiumicino, 28km außerhalb von Rom, ohne Ansprechpartner oder Betreuung fest­saßen.

In welchem Umfang das geschah, wissen wir – dank ignoranter Bericht­erstattung – nicht. Aber wir haben solche Menschen getroffen. Dass aufgrund der wider­sprüch­lichen Bericht­erstat­tung und Fehl­informationen viele Maschinen, die „im Sichtflug“ unterwegs waren, noch reichlich Plätze frei hatten, oder die Bundes­bahn schlicht unfähig war, für die abends herein­komm­enden Sonderflüge Weiter­reise­möglich­keiten an­zu­bieten, kam beim ZDF nicht vor. Womöglich, weil der Reporter im Frankfurter Flughafen stand und nicht da, wo wirklich etwas passierte. Bei­spiels­weise im Schnell­imbiss (beim NDR heißt das zwecks Realitäts­nähe „Mac Donalds“) des Düssel­dorfer Haupt­bahn­hofs nachts um Eins. Da war es zwar nicht so kuschelig wie in der leeren Ankunfts­halle des Frank­furter Flug­hafens, aber dort spielte (u.a.) die Musik. Hat beim ZDF halt keiner gehört.

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