Gez weiter?
09.07.2010
Im ersten Morgenlicht erscheint die Meldung nichtspektakulär – überraschend ist sie umso weniger. Die GEZ soll trotz Abkehr vombisherigen „Zählsystem“ weiter für das Inkasso der öffentlich-rechtlichenRundfunkanstalten sorgen. Von ARD und ZDF wird zuvorderst geklagt, dass derdafür erforderliche Umbau 150 Millionen € koste und durch Einsparungen beiMitarbeitern und IT erfolgen müsse. Das mit dem Personal ist womöglichnachvollziehbar, das mit der IT weniger. Denn wenngleich es den Anscheinerweckt einfacher und effizienter zu sein, ist das ab 2013 geplante Modell voraussichtlich noch verwaltungsaufwändigerals die bisherige Variante.
Denn die GEZ – im Namen der geldgeilen Rundfunkanstalten alsAuftraggeber – wäre nicht die GEZ, würde sie nicht prüfen, wer denn nun allesin einem Haushalt wohnt oder womöglich einen eigenen hat. Im Karton hinter Karstadtbeispielsweise. Die Frage, ob eine Studenten-WG ein Haushalt oder viele Einzelhaushaltesind, die lediglich durch einen gemeinsamen Flur begangen werden, lässt dasaktuelle Papier offen. Und somit reichlich Raum für die von den Anstalten gernbemühten und vor Gericht zitierten Interpretationsspielräume fürZusatz-Inkasso. Auf jeden Fall werden viele Daten erhoben und die kann man dannja – wenn schon sonst für nichts nützlich – an Adressdatenbanken oder sonstigeInteressenten verscherbeln. Man muss ja sehen, wo man bleibt.
Wenn von 39 Millionen Rundfunkteilnehmern die Rede ist, vondenen voraussichtlich beachtliche 200.000 mehr gebührenbefreit werden, dannheißt das im Gegenzug 35,7 Millionen, die zahlen. Bei den dann für allegeltenden 17,98 € - was nach Ansicht der Anstalten natürlich zu wenig ist –spült das 7.702.632.000 (Siebenmilliardensiebenhundertzweimillionensechshundertzweiunddreißigtausend)€ in die Kasse. Wahrlich ein Hungerlohn für dröge Sportmoderatoren, ein HeerMitarbeiter (lt. FAZ 550), die letztendlich nicht mehr von einerFußball-WM liefern als RTL (lt. FAZ 35 Mitarbeiter vor Ort), das mit weniger als einem Zehntel (!) Personalaufwandantritt. Das entspricht einer Quote von 10 öffentlich Rechtlichen : 3,9 RTL Mitarbeiternpro Spiel. Sind die öffentlich-rechtlichen Mitarbeiter tatsächlich so vielschlechter bzw. die RTL-Mitarbeiter so viel besser? Oder liegt es einfachdaran, dass man bei RTL wirtschaftlich mit dem Geld umgehen muss, während beiden öffentlich-rechtlichen das Geld vom Himmel fällt? Und ist im Resultat daspersonell aufwändigere, sowie bei den Kosten mutmaßlich signifikant teurere Programm der öffentlich-rechtlichen Anstalten wenigstens um den (Personal-)Faktor 2,6 besser?
Aber das sind Fragen, damit beschäftigt man sich nicht beiden Bezahlsendern der Parteien. Für Außenstehende bekommt das alles um so mehr „Geschmäckle“,wenn ein Herr Wilhelm als Intendant für den Bayrischen Rundfunk im Gesprächist. Offenbar hat „uns Angie“ ihren Sprecherder Bundesregierung satt und sucht für ihn einen sicherenVersorgungsposten. So gez also immerweiter. Bloß weil es „Abgabe“ heißt, ändert das nichts daran, dass es wieder dieselbenzahlen, die Bürger nämlich. Für Pöstchen derer, die damit ihr zukünftiges Ruhegehaltabsichern. Die Politiker nämlich.

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