Angepasst

28.01.2008

Wir verlieren unsere Privatsphäre und stören uns nicht dran, weil wir eh schon mit herunter gelassener Hose durch „Communities“ ziehen.

Wir regen uns über unsere Politiker auf, aber erschreckend viele gehen nicht zur Wahl: In Niedersachsen 57%, in Hessen 64,4%. Das bedeutet übersetzt: Wer 50% Stimmen holt, hat ca. 25% der Bevöl­kerung hinter sich. Das nennt sich dann in Politiker-Deutsch „Mehrheit des Volkes“.

Wir echauffieren uns über hohe Spritpreise, trotzdem geben wir doppelt so viel Geld für Sprit als für Fahrgemein­schaften oder öffentliche Verkehrsmittel aus.

Uns nervt das miese Fernseh­programm und dennoch hängen wir immer länger vor der Glotze.

Unsere Rundfunkgebühren erfahren eine (O-Ton WuR Beck:) „plausible, moderate Preiserhöhung“ und außer einiger süffisanter Kommentare interessiert das offenbar niemanden wirklich. Die ach so scharfen Kritiker finden es „vertretbar“ (O-Ton BW-MP Oettinger). Es geht um 5,6% — wann hatten Sie die letzte „Netto-Lohnerhöhung” in dieser Höhe?

Lassen sich die Massen wirklich derart gängeln, dass eine Möchtegern-Elite mit uns machen kann was sie will, weil es uns egal, wir ignorant, angepasst sind?

Ein freier Journalist eines ÖR-finanzierten Senders wollte über die „Gebühren­anpassung“ berichten. Er bekam von der Sende­leitung die eindeutige Ansage, das habe „wohlmeinend“ zu erfolgen. Andernfalls wäre eine Sendung nicht möglich, die weitere Zusammen­arbeit gefährdet (hierzu kein Link - im persönlichen Gespräch erfahren).

Wenn die Presse, insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien, nach Presse­freiheit und objektiver Bericht­erstattung in anderen Ländern rufen, erhält dieser Vorgang – vermutlich einer von vielen – eine ganz neue Dimension: „in anderen Ländern“ kann ja umgekehrt gelesen werden: Überall nur nicht bei uns!

Die Ver- und Einmischung von politischen Amts­inhabern mit und in den Medien (allen voran WuR Beck als Vorsitzender der Rundfunk­kommission der Länder, Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats, RP Rheinland-Pfalz, SPD-Chef, …), die über „Gebühren­anpassungen“ entscheiden, wird langsam unerträglich. Die „Kontroll­organe“ verkommen zum Selbstzweck, damit die Damen und Herren vielleicht ein Mikro mehr vor ihre Phrasen­öffnung oder eine Einladung zur Talkrunde bekommen. Und deren Wünsche werden willfährig befriedigt, damit die nächste Runde genauso glatt funktioniert. In Kombination mit unserem Oberschützer lassen sich erste Zeichen freischäublen…, äh,… -schaufeln, die einen Staat erkennen lassen, denn wir vor rund 20 Jahren überwunden glaubten. Wollen wir wirklich diese schöne neue Welt ?

Zurück

Einen Kommentar schreiben