Abstand bitte!

01.03.2008

Es menschelt im Fernsehen. Das hat Frau Piel (nicht Emma, nein: Monika) zu aller Über­raschung bemerkt. Der König der Anbiederung, Waldemar Hartmann, untersteht zwar nicht ihrem WDR-Reich, aber die Kölner Intendantin verlangt von ihren Sport­journalisten mehr Distanz zu den Sportlern. Und die liegt, lt. Frau Piel, im «Sie». Wenn es nach ihr geht, müssen dann wohl auch lang­jährige Sport­kollegen vor der Kamera einen auf Distanz machen, um den Eindruck des Sponsorings zu vermeiden.

Was für den Betrachter ja nahe liegt. Nicht die penetranten «Einblend­sponsoren» sind ein Problem. Da peilt ja hoffentlich selbst ein IQ-Tief­flieger, für wen er seine Euros ausgeben soll. Nein, die subversiven «Du»-Anspielungen, dieser Anschein des Gemein machens mit Leuten, ohne die man nur Test­bilder senden könnte, lassen den mündigen Zuschauer gleich wilde Bestechungs­parties vermuten. Wo gibt es denn schon sowas, dass sich Leute, die berufs­bedingt ständig miteinander zu tun haben, mit «Du» ansprechen.

Wenn Anstaltsleiterin Piel ihr Haus von jedem Verdacht befreien möchte, dann sollten grundsätzlich nur Leute gemeinsam vor die Mikrofone dürfen, die sich privat nicht nah stehen oder mal zusammen beim Bier das «Du» verabredet haben. Und bei jeder Sponsoring-Einblendung kommen dann Unter­titel: «Das Geld für diese Störung kassiert der WDR - die Sportler haben garantiert nichts davon!»

Da kann Herr Kerner von Glück sagen, dass er beim ZDF ist. Beim WDR wäre es ziemlich öd und leer in seiner Show, die er zu weiten Teilen duzenderweise offenbar aus seinem Freundeskreis mit Gästen beschickt. Wenn da im Nebensatz bemerkt wird, dass «Du auch an unserer Titelmusik verdienst» (Kärner sinngemäß zu Bohlen), muss sich Frau Piel fragen lassen, warum sie ihre Forderung auf Sport­übertra­gungen beschränkt. Frau Illner müsste einen weiten Bogen um alle Telekom-Themen machen. Ein Siezen des Telekom-Chefs Obermann würde ihr kaum jemand abnehmen, denn dass es da ebenfalls - wenn auch anders - nicht beim «Du» geblieben ist, wurde ja schon hinreichend ausgeweidet. Wobei das dem „investigativen Journalismus“ sicher eine neue, bizarre Seite abgewinnen könnte.

Beck und Tatort
Karrikatur mit freundlicher Genehmigung von Götz Wiedenroth

Und wie ist das mit den Politikern, die in den verschiedensten Gremien der Anstalten sitzen (allen voran Herr Beck, SPD-Chef und Vorsitz­ender des Rundfunk­rats)? Wie sieht es da mit der Distanz zum «staats­fernen» Fernsehen aus? Oder das Dreamteam Netzer/Delling, das einer Galionsfigur von Finanz­jongleuren wirkungs­starke Öffentlichkeits­wirkung ermöglicht? Die Liste könnte ziemlich lang und damit die Zeit für unverfängliche Wiederholungen immer länger werden.

Wobei der WDR ein echtes Pfund in die frei werdenden Sende­zeiten packen könnte, echte, zeitlose Klassiker wirklich guter und sende­auftrags­konformer Fernsehunterhaltung. Sieht man objektiv auf das ganze herab, stellt sich allem voran eigentlich zuerst die Frage, was problematischer ist: Ein duzender Journalist, oder Sport­sendungen, die von Alkohol­werbung flankiert werden.

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