Synchronisation
12.03.2008
Endlich haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten (ÖR) einen „Einknicker“ gefunden. Einen, dem seine journalistische Unabhängigkeit im „Print“-Bereich offenbar unwichtig ist. Einen, der auf „Qualitätsjournalismus“ setzt.
Der „Qualitätsjournalismus“ ist gebührensubventioniert und kostet dem Heise-Bericht zu Folge trotzdem Lizenzgebühren. Das erinnert spontan an den „Grünen Punkt“: Da müssen die Verbraucher auch zweimal zahlen. Einmal beim Einkauf, bei dem der Produkthersteller die „Franchise-Gebühren“ des grünen Punkts auf uns umlegt, das zweite Mal beim Entsorgen, wenn wir die Infrastrukturen für die Mülltrennung zahlen, ggf. sogar ein drittes Mal, wenn das Fernwärme-Kraftwerk den sauber getrennten Müll kauft und in den Ofen schmeißt. Denn der geht sonst aus, weil nichts Brennbares mehr im Restmüll drin ist. Bemerkenswert sind die Rahmenbedingungen des Franchise, wo also der Nutzen für die Beteiligten ist und was dabei auf der Strecke bleibt (Details im Wikipedia-Artikel).
Was unter „Qualtitätsjournalismus“ verstanden werden muss, erklärt uns Frau Christiansen. Da werden dann schon mal „die Richtigen“ eingeladen. Und damit die mit gebührenfinanziertem Bekanntheitsgrad ausgestattete Ex-Stewardess ihre Aufgaben als «freischaffende und unabhängige Journalistin und Moderatorin» fundiert für den Auftraggeber erfüllen kann, muss natürlich ein «Cabrio und ein[en] Geländewagen, „kostenlos zur Verfügung“ gestellt» werden.
Dass Frau Christiansen sich bei den ÖRs in guter Gesellschaft befindet, ist bekannt und stört dort offenbar niemanden mehr ernsthaft. Da wird hemmunglos für Wässerchen, Wurst, Geldanlagen, Schlankheitskuren, Gummibärchen, usw. geworben. Wenn man den „Qualitätsjournalisten“ ihre Sprüche auf dem Schirm abkauft, dann kauft man ihnen den persönliche Rat «Seit ich meine Kacke esse, kann ich vögeln wie eine Breitfußbeutelmaus» bestimmt genauso ab. Das ist zweifellos die selbsterfüllende Annahme der Werbewirtschaft und ein hervorragender Grund, weiterhin auf Werbung in den gebührenfinanzierten Sendern zu bestehen. Denn wenn die ÖRs nicht mehr werben dürften, würden die „Qualitätsjournalisten“ wohl zwangsläufig auch ihr offenbar notwendiges Zweitgehalt verlieren. Da möchte man sich fast wünschen, dass die »Markenbotschafter(innen)“ das Schicksal der Breitfußbeutelmaus ereilt — dann wäre das ein selbstreinigender Prozess. Oder es wäre hinreichend abschreckend und die öffentlich-rechtlichen „Qualitätsjournalist(inn)en blieben zu unserem Vorteil zwar offenbar schlecht bezahlt, aber dem ÖR-Auftrag folgend in alle Richtungen unabhängig.
Die zitierte Werbung ist frei erfunden, da wir niemandem der werbenden „Qualitätsjournalist(inn)en“ einen Vorzug geben wollen. Wir wollten lediglich ein grundsätzlich übertragbares Beispiel anbieten. Mit diesem Wissen im Hintergrund fragt man sich dann allerdings, warum unabhängige Pressehäuser so subventionierte „Qualitätsrecherche und objektive Meinung" via Video-Stream auf ihren Seiten haben möchten.
Wir Deutsche haben für diesen schleichend einsetzenden Prozess einen Begriff aus unserer jüngeren Geschichte geprägt: Gleichschaltung. Die ÖRs streben in großen Schritten die VerBILDlichung des Angebots, sowie eine Einflussnahme auf alle Medien an. Wenn in anderen Ländern so etwas passiert, profilieren sich unsere Volksvertreter mit Protest dagegen. Wenn es um die eigenen Interessen geht, ist man da flexibler.

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