„Da sein“ bedeutet nicht „dabei sein“

20.03.2008

Für die Zielgruppe Kids ist das Fernsehen out. Einer aktuellen Jugendstudie zufolge benötigen rund 60 Prozent der 20 bis 29-jährigen kein Fernsehen mehr. Diese Zielgruppe nährt ihren Geist aus dem Internet. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit aller Macht dieses Medium für sich beanspruchen möchten.

Ein bisher wenig beachteter Aspekt dieser Anstrengungen: bloß weil Lieschen Müller ein Internetseite hat, wird sie kein Popstar. Und bloß, weil die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihr Angebot im Internet hemmungslos ausweiten, ist das kaum die geeignete Maßnahme, ihren Bedeutungs- und Reichweitenverlust aufzuhalten. Denn ein Detail ist den Verantwortlichen offenbar entgangen: im Internet ist das Angebot genauso uninteressant wie in der Flimmerkiste. Denn es ist ja das Selbe.

Das ist in etwa so, als wenn man einem Kleinkind den Spinat statt auf einem flachen Teller in einer tiefen Schüssel serviert. Sieht zwar anders aus, wird aber trotzdem ausgespuckt. Bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten merkt aber offenbar niemand, dass das Angebot ausgespuckt wird. Sicher; - natürlich gibt es Kinder, die Spinat schätzen. Ebenso wird der eine oder andere das Angebot sicherlich schätzen. Filme, die sonst zu völlig bescheuerten Zeiten gesendet werden, zu einer vernünftigen Zeit ansehen zu können - toller Service!

So wie uns die Oberen der Anstalten immer vorrechnen, dass alles teurer wird und deshalb die Rundfunkgebühren erhöht werden müssten, sollten sie ebenso in der Lage sein, eine Kosten-Nutzen-Analyse ihres Angebots im Internet anzubieten. Es könnte natürlich sehr ernüchternd sein und erheblichen Erklärungsbedarf hervorrufen, wenn schwarz auf weiß belegt werden könnte, mit welchen Summen der einzelne Mediathek-Benutzer subventioniert wird. Sie sind vermutlich so hoch, dass für eine derartige Studie kein Geld mehr vorhanden ist.

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