De pööfekte Peinlischkeit
26.03.2008
„Bruce“ war erst der Anfang. jetzt kommt „Ich weiß, wer dir das angetan hat“, oder so ähnlich.
Wer dachte, mit Bruce sei der Boden der Hilf- und Konzeptlosigkeit bei der ARD erreicht, hat eins vergessen: Man kann auch Löcher graben. Die ARD gräbt. In diesen Löchern soll die Kohle hängen bleiben, die das arme, staatlich sanktionierte Fernsehen für die ach so wichtige Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk einsammeln muss.
Wobei die Methode beeindruckt: Man versendet ein derart blödes Hauptprogramm, dass sich die Werbung dazwischen als Bildungsfernsehen dagegen abhebt. Die Werbewirtschaft würde das womöglich schätzen, hätte die Sache nicht einen entscheidenden Haken. Die diffuse Wunsch-Zielgruppe von „in der Pubertät“ bis „irgendwie jünger als der Durchschnitt“ verteidigt verbissen ihren IQ und verweigert sich.
«Das Vorabendprogramm wird aus Werbeerlösen finanziert» ist der Ansatz für den ARD-Vorabendchef Siegmund Grewenig. Das wirft zwei Fragen auf:
Wofür ist die Rundfunkgebühr?
An keiner Stelle im Rundfunkgebührenstaatsvertrag ist vermerkt, dass die Gebühren nur für die Zeit von 0-18 Uhr und 20 bis 24 Uhr gelten.
Wenn keiner wirbt,...?
Das könnte womöglich die innovativste und einfachste Lösung des ARD-Vorabends sein. Denn dann ist ja - den Aussagen Grewenigs folgend - kein Geld da und wir müssen uns über diesen debilen Mist nicht mehr aufregen. Ein Hoch auf das Testbild. Da kann man die Werbung für Schlaftabletten ggf. darunter einblenden, mit der das Testbild finanziert wird.
Auch sollte man den sozialen Aspekt einer solchen Maßnahme nicht unterschätzen: Familien könnten sich einander zuwenden, ohne Sorge, dass ihre geistige Verarmung öffentlich-rechtlich voran getrieben wird. Das wäre gleich ein Schlag gegen Nanny & Co. der Privaten.
Eine Frage stellen sich die Damen und Herren Intendant(in)en offenbar nicht: Brauchen wir wirklich «Fernsehen 24/7?» Beim aktuellen Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender sehnt man sich als „Mitteljunger“ durchaus an Zeiten zurück, als das Programm um 16:00 Uhr mit einem Tierfilm anfing und um 1:00 Uhr nachts mit der Deutschlandhymne endete. Die Zeit dazwischen war wenigstens „schmerzfrei“. Die Welt würde deshalb sicher nicht unter gehen, die ÖRs könnten in den verbliebenen 9 Stunden ihr Angebot sinnvoll verdichten und damit interessant machen und wir, die Zahlmeister, könnten uns über eine Gebührensenkung auf ca. 10 EUR freuen - es fallen ja 15 Stunden Sendezeit weg, die mutmaßlich niemand wirklich vermissen würde.
Die Planungen sind jedoch ganz anders. Da wird lieber auf moderne Technik wie HDTV oder Dolby Surround im erzwungenen DVB-T verzichtet, um einen weiteren Sender (ZDF-Infokanal) durchzudrücken. Warum dann HDTV für die Olympischen Spiele so wichtig sein soll, wird nicht weiter ausgeführt. Nirgends steht, dass erzwungene Technik-Änderungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten kompatibel zueinander sein muss. «Zukunftsweisende Technik» ist offenbar wichtiger als Inhalte.

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