Die einzige Wahrheit
06.05.2008
Da sitzt man - nichts böses ahnend - nach einem harten Tag für einen „mentalen Absacker“ vor der Flimmerkiste und zappt durch die Programme. Beim SWR bleibt man etwas irritiert hängen. Da trötet ein sonorer, duster drein schauendender älterer Herr zusammengefasst: Nur wir berichten die Wahrheit. Der Vollbart-Träger - eine sehr verbreitete Tracht bei Fernseh-Königen (s. Beck und Raff) entpuppt sich als ZDF-Intendant Herr Schächter. Es trötet das in einem Bericht des SWR. Der Journalist fragt nur die Fragen, die solche Antworten zulassen und nimmt - was die Fragen nahe legen - derartige Antworten widerspruchslos hin.
Es geht um die Ansprüche der öffentlich-rechtlichen Anstalten, im Internet ohne Einschränkungen in Konkurrenz mit der freien Presse zu treten. Dafür werden dann schon mal die vielgepriesenen Worte von objektiver, hochwertiger Berichterstattung in die Tonne getreten. Statt dessen: Einseitige Fragen, grimmige, schreckliche Szenarien beschwörende Rundfunk-Granden mit Bart - bis auf Frau Piel, die ohne Minenzucken in die Kamera diktiert, die Verbindung von WDR mit der WAZ-Gruppe wäre ein Gewinn für die objektive, freie Meinungsbildung.
Zwischen den Zeilen räumt Herr Hombach, Chef der WAZ-Gruppe ein, dass er ja ein Depp sei, wenn er fertig produzierte Video-Beiträge ablehnen würde, die man ihm zu konkurrenzlosen Preisen förmlich aufnötige. Wenn von „wirtschaftlichen Argumenten“ die Rede ist, bleiben zu dieser Annahme keine Alternativen.
Dann nehmen wir Herrn Schächter doch einfach mal beim Wort: Machen Sie doch mal das Gegenteil Ihres namengebendes Berufes, das Opfer, nämlich den Gebührenzahler, ausbluten lassen. Wenn „Die öffentlich-rechtlichen die einzige Wahrheit“ berichten, muss die Frage erlaubt sein, wozu es dann so vieler Kanäle bedarf, die sich bei gleichen Themen doch inhaltlich anders präsentieren. Wenn es nur eine Wahrheit gibt, genügt auch eine Berichterstattung. Ergo, brauchen wir auch keine -zig Radio- und Fernsehkanäle.
Da reicht «Das Erste», dass man dann in «Das Einzige» umgenennen könnte. Das klingt gleich viel religiöser und passt viel besser zum inquisatorische Auftreten, mit dem alles, was nicht öffentlich-rechtlich ist, von eben diesen Anstalten schamlos totgeschwiegen oder verunglimpft wird. Mit dem Geld, das eigentlich genau das Gegenteil davon sicher stellen soll.

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