Anspruch und Wirklichkeit

10.05.2008

Die Intendanten der Öffentlich-Rechtlichen erzählen uns seit Wochen, dass nur durch ihre Sender eine objektive und qualitative Berichterstattung möglich wäre und dass sie deshalb unbedingt auch Internetangebote machen müssten. Das klingt so, als ob die Presse ihren Job nicht macht.

Diese hat sich gerade selbst mit dem Henri Nannen Preis 2008 beglückt. In der Kategorie «beste investigative Leistung» wurden Spiegel-Redakteure für ihre Recherchen über Doping im Radrennsport geehrt.

Radsport? Das waren doch die Veranstaltungen, die stundenlang von ARD und ZDF übertragen wurden, bis - ja bis zu dem „Dopingskandal” im letzten Jahr. War ja auch wirklich schlimm, wie die Rennfahrer 2007 mit dem Doping angefangen haben. Da hat man vorher nie etwas bemerken können. Vielleicht waren die Mitarbeiter der Sportabteilungen aber auch nur zu sehr damit beschäftigt, sich selbst attraktive Zusatzangebote zu sichern. Der ARD-Korruktionsskandal lässt grüßen. Aus der Tour de France Übertragung sind ARD und ZDF ausgestiegen, nachdem vermutlich bereits zig Millionen Euro dafür verpulvert wurden.

Wo war da die objektive Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen? Selten lagen Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander.

Und der Qualitätsanspruch?

Das ZDF kramt am Pfingstsonntag ein ehemaliges Quotenflagschiff von RTL aus und preist die Traumhochzeit 2008 als «das romantischste Ereignis des Jahres» an. Das ganze ist natürlich qualitativ viel wertvoller als zu RTL Zeiten. Muss es ja auch sein, läuft ja schließlich beim ZDF. Ohne Werbeunterbrechung, aber vielleicht mit einem Sponsor in jeder Bildschirmecke. Das gehört immerhin zum Lifestyle.

Zum Lifestyle gehören aktuell auch diverse Castingshows, da will das ZDF natürlich nicht nachstehen. Das aktuelle „Musical Showstar-Casting” mit Thomas Gottschalk läuft zwar quotenmäßig nicht gut, aber man kann bedenkenlos einen draufsetzen. Das Geld muss man ja nicht durch Werbung wieder hereinholen. Das ZDF hat sich die Rechte am kanadischen TV-Format «The next great leader» gesichert, in dem Nachwuchspolitiker gecastet werden, Am Titel wird man noch etwas arbeiten müssen, sonst könnten sich ungewollte Assoziationen zu Sendungen von Guido Knopp einstellen.

Das Konzept hat in Kombination mit der ZDF Zuschauergruppe etwas Bestechendes. In der Show sollen junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren mitmachen. Das ist immerhin nur 1/2 bis 1/3 so alt wie der ZDF Durchschnittzuschauer, der aber zur immer wichtiger werdenen Gruppe der Seniorenwähler zählt. Wer da das Casting übersteht, könnte wirklich Wahlchancen haben.

Und sollte aus so jemanden polititsch wirklich „etwas werden” (sofern man das bei Politikern so sagen kann), wird das ZDF ihn immer daran erinnern, wen er das zu verdanken hat, wenn eine politische Rundfunkentscheidung ansteht.

Wir hätten deshalb folgenden Titelvorschlag: Deutschland wählt unseren Lakai.

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