Für Sie, für Sie — …

04.06.2008

«… — und ganz besonders für Sie!» Mit diesem Slogan bewarb der NWDR (Vorgänger des NDR) sein Programm. In diesem Geist sieht sich der NDR auch heute noch: «Der NDR ist in seinen Programmen nicht nur aktuell und plant genau, wo er hin will - er weiß auch, wo er herkommt», äußerte sich im Rahmen der Vorstellung eines Geschichtsbuches über den NWDR der stellvertretende NDR Intendant Dr. Arno Beyer. Auch bezeichnet sich der NDR gern als «objektiv». Klar. Muss ja. Ist ja öffentlich-rechtlich.

Wer den Nerv hat, kann sich mal morgens um 7:20 Uhr bei „N-JOY“ anhören, was «… ganz besonders für Sie» und «objektiv» für den NDR bedeuten. „N-JOY“ ist der „Jugendsender“ des NDR. Dort würde man neben aktueller Musik auch so etwas wie „Bildungsauftrag“ vermuten. Dem wird — in Ansätzen erahnbar — mit der „PISA-Polizei“ Rechnung getragen. Ganz nach raabscher Manier (also wieder nach dem Prinzip „sehr gut Abgehangenes der Privaten schlecht kopieren“) werden dabei Jugendliche nach Begriffen gefragt — zur mehr oder eher weniger gelungenen Erheiterung der Zuhörer. Da werden dann schon mal tiefschürfende Fragen gestellt (4.6.2008): «Wie gefährlich ist UKW?» Der Hörer bekommt mehrere debile Antworten präsentiert und die am Ende jeder Ausstrahlung wiederkehrende Phrase einer leidlichen Erklärung („Hast wohl noch nie Radio gehört?“) mit dem Abschluss: «Setzen, Sechs.»

Dazu passt prima eine aktuelle Pressemitteilung des NDR:

Die Gremien des Norddeutschen Rundfunks haben sich in ihren Sitzungen eingehend mit dem neuesten Entwurf des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages vom 26. März/19. Mai 2008 befasst. Sie stellen mit Sorge fest, dass sich die vom Bundesverfassungsgericht geforderte Entwicklungsgarantie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den Entwürfen nicht niederschlägt.

Aus der Pressemitteilung des NDR vom 02.06.2008

Könnte ein Programm wie „N-JOY“ die Richtung für den nächsten Rundfunk­änderungs­staats­vertrag beeinflusst haben? Könnte es sein, dass die Macher dieses Werkes mit Sorge feststellen, dass „Entwicklungs­garantie“ nicht mit «Dümmer geht immer!» übersetzt werden darf?

Denn immerhin vermittelt der NDR mit der Art der „Bildungspräsentation“ bei „N-JOY“ den Eindruck, alle Jugendlichen seien Volldeppen, denn es werden nur falsche Antworten präsentiert. Wie viele Jugendliche eine richtige Antwort gegeben haben, wird schlicht ignoriert. Wäre ja lange nicht so witzig und Objektivität kann ein echter Spasskiller sein. Die Schlußfolgerung, dass das Zielpublikum diesen „Spass“ gar nicht verstehen kann, weil es ja selbst zu doof ist, hat beim NDR offenbar niemand gezogen. Denn wenn es nur falsche Antworten gibt, sind das statistisch hochgerechnet 100%. Und Witze die keiner versteht, auf kosten derer, denen man sie erzählt, sind nicht wirklich witzig.

«Das Zusammenwachsen von Hörfunk, Fernsehen und Internet beeinflusst zwangsläufig auch die Aufgaben des Norddeutschen Rundfunks. Er muss die Chance haben, den ihn finanzierenden Bürgerinnen und Bürgern ein umfassendes Programmangebot auch in Online-adäquater Weise zu unterbreiten. Dazu gehören zum erneuten Anschauen abrufbare Fernsehsendungen ebenso wie Radioangebote zum Nachhören, die länger als sieben Tage für die Menschen verfügbar sein sollten.»

Aus der Pressemitteilung des NDR vom 2.06.2008

Als geschichtsbewusste Truppe (s.o.) sollten die NDR-Gremien mal etwas weiter in die Vergangenheit schauen. Da werden sie auf das Römische Reich, Alexander den Großen, Dschingis Khan, Napoleon und auch Hitler stoßen. Alle größenwahnsinnig. Und alle gescheitert.

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