Ein Trauerspiel

14.06.2008

Ja. Es geht hier um Fußball. Aber nicht so, wie sie jetzt vielleicht vermuten - wobei das Ereignis „Deutschland vs. Kroatien“ trotzdem im Zentrum steht. Denn das dürfte eine angemessene Zahl von Fans interessiert haben. Und es werden wohl mehr Leute dieses Fußball-Spiel im Internet gesehen haben, als z.B. den Livestream vom Mittagsmagazin. Also ein prima Anlass, mal heraus zu finden, wie „Qualitätsfernsehen im Internet“ stattfindet.

Es muss fairerweise erwähnt werden, dass es sich hierbei natürlich nicht um einen statistisch gesicherten Test handelt. Aber als «markante Beobachtung» lässt sich das sicher schon einstufen. Daher kurz die Rahmenbedingungen:

  • Schneller DSL-Zugang (16MBit), der auch wirklich schnell war (15080kBit/s downstream/1183 kBit/s Updstream)
  • Ordentlicher PC (Dual Core, 2.2GHz, 3GB Speicher)
  • simple SAT-Karte, als Vergleichsmedium, inkl. dazugehörender Software (Danke an den Entleiher!)
  • ZDF-Mediathek, Mitte der 2. Halbzeit
  • Software zum Mitschneiden des Bildschirms, damit das, was beschrieben wird, belegt werden kann

Was auffiel:

  • Im Internet fand Fußball deutlich später statt, als auf der SAT-Karte, es variierte zwischen 20 bis ca. 60 Sekunden
  • Im Internet fand das Fußballspiel immer mal wieder gar nicht statt, weil Daten nachgeladen werden mussten
  • Im Internet fand nicht das ganze Fußballspiel statt, da beim Nachladen Spielszenen übersprungen wurden
  • Im Internet erinnerte das Bild gelegentlich an die ersten Videospiele: Grüner Hintergrund (=Rasen), animierte weiße Striche(=Deutschland), animierte blaue Striche (=Kroatien). Und dazwischen ein ziemlich flinker weißer Punkt (=Ball)
  • Im Internet sprang das Bild in unregelmäßigen Abständen mal hoch, mal runter

Falls es Sie interessiert:
Unser «Belegvideo»
(Flash-Player erforderlich)

Das „Bildgespringe“ ; soll wohl «Raubkopierer» behindern. Wobei die wohl kaum den Bildschirm abfilmen, die holen sich einfach den fertigen Stream (s. unser erster Test vor über einem Jahr). Die dort zitierte Behauptung des ZDF, Livestreams könne man nicht speichern, wurde mittlerweile stillschweigend von den ZDF-Seiten entfernt. Entscheidend: Im Ergebnis hat sich — trotz mehr als einem Jahr für Nachbesserungsmöglichkeiten — nichts geändert. Was rein praktisch gedacht wohl sogar schlechter wird. Denn je voller eine Autobahn (=Internet) wird, desto öfter gibt es Stau (=stockende, bzw. abreißende Videoübertragung). „Live“ wird im Internet zukünftig nur bei abnehmenden Zugriffsraten möglich sein. Das ist aber das Gegenteil von „öffentlich“.

SAT-Karte (Screenshot) 75:36 Spielminute
Screenshot SAT-Wiedergabe
27 Sekunden später, im „Live“stream ZDF (Screenshot) 75:36 Spielminute
Screenshot Stream-Wiedergabe
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass im Stream ein anderes Logo steht, als im SAT-Bild?
Sie können die Bilder in Originalgröße per anklicken sehen. Die Ausschnitte entsprechen nicht dem Gesamtbild, sie wurden auf exakt den gleichen Ausschnitt zurecht geschnitten. Die Wiedergabe erfolgt auf Grundlage von § 51 UrhG.

Was fehlt? Ach ja: Mit der SAT-Karte konnte man das Spiel wirklich ansehen. Ist ja auch „echtes“ Fernsehen. Wäre da die Qualität so, wie das, was uns die Oberen der öffentlich-rechtlichen Anstalten als „Zukunft des öffentlich-rechtlichen Fernsehens“ andrehen wollen, wären nach dem Spiel sicher ein graubärtiges geteertes Federmännlein durch Mainz getrieben worden.

Offenbar setzt sich der Trend bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten fort: Immer mehr Geld für stetig abnehmende Qualität. Und wir reden jetzt ausnahmsweise mal nicht von den Inhalten, sondern von der Technik: Das Analog-Fernsehen hatte zwar manchmal „Fischlein“, wenn es draußen stark regnete. Aber es brach nicht ab. Das kann schon mal bei SAT-Empfang und schlechtem Wetter passieren. Bei DVB-T reißt zwar nicht unbedingt die Übertragung ab, dafür ist das Bild von sich aus so mies, dass regelmäßig die Namen der Nachrichtensprecher unlesbar sind. Und im Internet wird die schlechte Bildqualität mit der wackeligen Übertragung kombiniert.

Welche Verschlechterung kommt als nächstes? Und wie viel wird man uns dafür abknöpfen?

Immerhin haben die Minsterpräsidenten wohl erkannt, dass der unbändige Expansionsdrang der Anstalten gebremst werden muss. Allerdings ist in den Äußerungen noch immer unklar, ob es bei der «Internet-Steuer» durch die Anstalten bleibt. Denn es wurde unsererseits nie abgelehnt, dass die Anstalten im Netz sein dürfen. Wir haben aber ein großes Problem damit, dass sie dafür eine Gebühr kassieren dürfen und ein bisher freies Medium so für sich vereinnahmen.

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