Trauerspiel, Teil II
17.06.2008
Das ZDF hat sich ja bemüht. Man sah der „Live“-Übertragung des Spiels Deutschland vs. Kroatien halt an, wie viel Mühe es gemacht hat. Vielleicht hätten sie es mit Freude machen sollen. Dann wäre es ein gutes Bild, oder wenigstens eine ruckelfreiere Übertragung gewesen. Allerdings hat sich die ARD noch lustloser an das Spiel Deutschland vs. Österreich gemacht. Oder wie sonst ist erklärbar, dass in der ersten Halbzeit, trotz anhaltender Versuche, nur eine Polarnacht im Winter zu sehen war?
In der zweiten Halbzeit kam dann völlig überraschend doch noch Bild und Ton. Das ruckelte sich durch die Leitung, holte jedoch — abhängig von den örtlichen Gegebenheiten — gewaltig auf. In Braunschweig fand das Spiel im Internet gegen Ende ca. 30 Sekunden nach Satelliten-Zeit statt. Im Süden, Raum Wiesbaden, ca. 150 Sekunden. Wobei in Braunschweig eine vergleichbare Qualität zum ZDF erreicht wurde. Im Süden musste man geduldig sein. Wie man das halt mit Stotterern machen soll. Nicht drängeln, dann wird es schlimmer.
Wir würden uns über Stimmen weiterer „Testkandidaten“ freuen — einfach im Forum anmelden und ein bisschen berichten.

Karikatur mit freundlicher Genehmigung von Götz Wiedenroth
Übertönt durch die Fußball-EM wurde den öffentlich-rechtlichen Anstalten (ÖR) eine weitere Novellierung des Rundfunkgebührenstaatsvertrags unterbreitet. Erwartungsgemäß setzt dort das Wehklagen an, man werde jetzt in die Steinzeit katapultiert. Beim aktuellen Level des inhaltlichen und technischen Angebots braucht es da zwar nach unserer Meinung kein Katapult, aber Schmerz ist etwas Subjektives. Es drückt die Anstalten mit ihren rund 80 Sendekanälen schon, dass jetzt die „Grundversorgung“ gefährdet sei. Wenn man einem dicken Kind den 10.ten Hamburger verbietet, fängt es halt zu jammern an und fürchtet den Hungertod.
«Warum muss Gottschalk im ZDF auftreten, es gibt doch genügend Unterhaltung im privaten Fernsehen?»
Günther Oettinger, 54, Ministerpräsident Baden-Württemberg (Quelle: Focus)
Der Fokus hat den hier zitierten Artikel in seiner Print-Ausgabe vom Montag (Heft 25/2008, Seite 114) ergänzt, denn es ist alles halb so wild. Zumindest für die ÖR. Die Einschränkung «presse-ähnliche Angebote sind nur sendungsbezogen erlaubt» sei nämlich bei genauerer Betrachtung ein Freibrief. Mit den oben zitierten rund 80 Sendern würde immer was Passendes zu finden sein. Notfalls würde halt was passend gemacht.
Erklärt das vielleicht, warum gerade auf Astra ein wildes Kanalgeschiebe stattfindet? Da werden offenbar diverse Testkanäle der ARD und des ZDF freigeschaufelt, damit Platz für die Absicherung des „begleitenden Angebots der Grundversorgung“ entsteht.
Wer mal wieder nicht gefragt wird, sind die, die es betrifft: Die Bürger. Aber wir wurden ja schon nicht zur EU-Verfassung gefragt, da ist der Umfang von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Fernsehen doch völlig egal. Stattdessen werden lieber Gremien beauftragt, die Entscheidungen herbei führen sollen. Da kommt wieder das dicke Kind ins Spiel: Wenn es sich selbst eine Belohnung für den Verzicht auf den 10.ten Burger aussuchen darf, nimmt es einen großen Erdbeer-Shake.

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