Die Kunst des Fragens

24.06.2008

«Lieber Werbung als GEZ» titelt der Kölner Stadtanzeiger. Die Bundesbürger seien nicht bereit, für Werbefreies Fernsehen 1,42€ im Monat mehr zu zahlen. Das habe das Medienmagazin «dwdl.de» gemeldet.

Nun muss man sich schon fragen, welche Qualität die Aussage einer Internet-Präsenz hat, deren Eigner (lt. Wikipedia) 120% der AG-Anteile halten - wundersame Aktienvermehrung?

Nachtrag (25.06.2006):Die gestern vermeldete Unerreichbarkeit der Seiten der Mistral Media AG lag an einem technischen Fehler des Recherchesystems. Entschuldigung dafür. Die Verknüpfung von DWDL mit der Hurricane Fernsehproduktion lässt uns — trotz vertrauenswürdiger Quelle, DWDL sei den öffentlich rechtlichen nicht sonderlich zugetan — ein wenig in Zweifel. Für uns lesen sich die Artikel anders. Und: Wer will schon einen der wenigen potentiellen Auftraggeber vergraulen, wo es doch gerade nicht so rund läuft?

Wenn man sich nun das DWDL-Angebot ein wenig ansieht, wird man feststellen, dass es eine gewisse „Affinität“ zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten gibt. Ein prima Belegexemplar für diesen Eindruck ist der Artikel zur «Flaggen-Panne». Wenn man dann noch den DWDL-Artikel zur Zahlfreude der Gebührenzahler mit dem Artikel des Kölner Stadtanzeigers vergleicht, entsteht die Frage, wo die journalistische Leistung des Kölner Blattes liegt. Dazu passt perfekt eine Studie der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen. Deren Ergebnis: Recherche wird immer öfter durch Google ersetzt und die Funde werden ohne journalistischen Instinkt und Verstand unreflektiert weiter gegeben.

Das alles zusammen genommen, wirft jetzt die Frage auf: Was hat Emnid eigentlich gefragt? Das lässt sich leider nicht ergründen, denn es gibt dazu keine frei zugänglichen Informationen beim Emnid. Es wird lediglich erwähnt, dass die Umfrage von «Bild am Sonntag» beauftragt wurde - eine Publikation, die sich in ihrem herausragenden Ruf für erstklassig recherchierte und objektive Artikel sonnen kann. Dort kann man die zitierte Meldung nicht recherchieren.

Hand auf´s Herz: Was ist die Standardantwort auf die Frage: «Würden Sie mehr zahlen, wenn […]?» — egal wie die Frage weiter geht.

Was interessant ist: Keiner stellt die Schlüsselfrage vorweg: «Wie kommen ARD und ZDF auf 1,42€ pro Monat und Gebührenzahler?»

Denn wenn man die Zahlen der GEZ von 2006 zugrunde legt, gibt es 73.002.944 gebührenpflichtige Geräte. Wenn nun jeder Gebührenzahler 1,42€ monatlich mehr zahlt (es wird in den Aussagen für die Mehrkosten nicht zwischen Radio und Fernsehen unterschieden), belaufen sich die Zusatzeinnahmen auf rund 1,244 Milliarden €. Demnach hängt unser „objektives unabhängiges Rundfunksystem“ mit rund 17% seinen Einnahmen am Tropf der Werbewirtschaft. Nach einer nicht verifizierbaren Quelle verteilen sich die Werbeeinnahmen dann noch sehr ungleichmäßig über die Anstalten, so finanziere sich das ZDF (angeblich) zu rund 50% aus Werbung. Ist man bei diesen Summen wirklich immer unabhängig und objektiv?

Was aber noch mehr irritiert: Lt. leider nicht nachprüfbaren Quellen bewegen sich die Gebühreneinnahmen der öffentlich-rechtlichen Anstalten sehr signifikant unter dem errechneten Betrag, regelmäßig ist von rund 500 Mio.€ die Rede (ob und wer da von wem abschreibt, ist jedoch nicht nachvollziehbar). Das wirft zumindest die Frage auf, wie objektiv denn die Kostenberechnung für die Aussage von ARD und ZDF ist.

Die alles entscheidende Frage ist jedoch noch immer ungefragt: Was bekommen wir denn konkret für dieses Geld? Es heisst immer nur: «Die Gebühreneinnahmen dürfen nicht sinken». Warum eigentlich nicht?

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