Wer Fliegen fangen will,...

05.07.2008

Das ZDF, vorn an Markus Schächter, hat die Zeichen der Zeit verstanden. Sollen doch die Minister­präsidenten beschließen was sie wollen. Einen „Rückbau“ wird schon keiner fordern. Also bestätigt man zuerst den Fernseh­rats­vorsitz­enden, Ruprecht Polenz, der Spiele im Internet für öffentlich-rechtlichen Auftrag hält.
Sein Ansatz «Unterhaltung gehört zum Grundangebot» lässt sich wunderbar als Freibrief für Online-Tupper-Parties und Klingel­ton-Down­load-Areas interpretieren.

Politiker sind da eh geschmeidig. Aufgrund der strikten Trennung von Staat und Rundfunk kann Kurti Beck daher als Vorsitzender der Rund­funk­kommission der Länder dem ZDF zusichern, dass es eh keinen interessiert, was da beschlossen wird. Das weiß er wohl aus seinem andern Beruf als Vorsitzender einer Bundes­partei und Minister­präsident. «Machen!» ist das Mittel der Wahl. Denn was erst mal ist, wird immer sein. Es fragt ja auch keiner, warum wir heute noch für Hitlers U-Boote Steuern zahlen. Der öffentlich-rechtlichen Rundfunk darf nach Einschätzung der „eingenordeten“ Worter­greifer in der Politik machen was er will, ohne dass dafür Rechen­schaft abgelegt werden muss. Warum z.B. dieses Angebot mehr kosten darf, als uns «Jugend, Familie und Senioren» wert sind (s. Bundeshaushalt), beantwortet niemand.

Beängstigend, dass dem Bildungs­ministerium gerade mal rund 20% mehr Mittel zur Verfügung stehen. Denn wer letztendlich mit dem Geld eine größere «Breiten­wirkung, Aktualität und Suggestiv­kraft» (Vermarktungs­argumente für Fernsehwerbung) erreicht, lässt sich ohne Nachdenken beantworten. Insbesondere, wenn im Bildungs­haushalt jeder Kuli von einem Gremium beschlossen werden muss, während ein Markus Schächter, ganz Scheich, einfach mal mit der Hand in den Klingel­beutel der Rundfunk­gebühren greift, um die eingeräumte Inkompetenz - denn was sonst ist es, wenn man mit so viel Geld nur Rentner erreicht? - abfedern will. Allerdings soll dafür nicht „umgeschichtet“ werden. Dafür gibt es ab nächstes Jahr noch mehr Geld zum Aus­dem­fenster­schmeißen.

Wer jetzt die völlig überraschende Frage stellt, was denn unter einem «Familien­kanal» verstanden werden muss, wenn ARD, ZDF und die anderen öffentlich-rechtlichen Kanäle das dann ja wohl nicht sind - was ein Alters­durch­schnitt von 61 Jahren beim ZDF eindrucks­voll unter­streicht - sollte auf alles gefasst sein. Nur nicht auf eine sinnvolle Antwort. Denn wenn die Verantwortlichen Antworten hätten, läge der Alters­durch­schnitt sicher niedriger, das Programm wäre besser und es würde weit weniger Geld verplempert.

Aber die öffentlich-rechtlichen Gebühren­vernichtungs­anstalten agieren nach der Methode «Wer die größten Haufen macht, bekommt die meisten Fliegen». Statt mit diesen Unsummen wirklich mal «im Auftrag des Herrn» (also der Gebühren­zahler) Neues, Innovatives zu schaffen, verlegt man sich lieber auf das Weg­kaufen von Moderatoren der Privaten oder dem Abklatschen von bereits bei den Privaten gescheiterten Konzepten. Frei nach dem Motto: «Egal was man isst, hinten kommt letztendlich immer das Selbe raus.» Es bleibt jedoch ein Unterschied: Im Müncher Hauptbahnhof bezahlt man einen Euro, um «es» los zu werden. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollen wir demnächst rund 18 EUR dafür zahlen, dass «es» ins Haus kommt.

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