Hauptsache: Ich!
22.07.2008
Es ist leicht, gegen etwas zu sein, wenn man es selbst vermeintlich nichtbraucht. Wer keinen Radio oder Fernsehempfänger hat, braucht also keinenöffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖR) und will - in Zeiten ständig steigender Kostenverständlicherweise - dafür nichts bezahlen. Diesem Prinzip folgend muss man sichallerdings fragen, warum zum Beispiel Gesunde eine Krankenkasse haben, jahrelangunfallfreie Autofahrer eine Autohaftpflicht, Gewerbetreibende eine Steuernummer undWaren einen Mehrwertsteueraufschlag.
Das sind die unangenehmen Begleiterscheinungen eines demokratischenSozialstaates. Er kann nur funktionieren, wenn jede(r) auch ein wenig für Dingeeinsteht, die individuell gar nicht interessieren. Wäre es anders, würden wir sehrschnell beim Faustrecht ankommen. Wie lebenswert das ist, kann man in den von denNachrichten beworbenen Ländern mit diesen Eigenschaften in Lateinamerika oder Afrikaausprobieren und nach einem Jahr bei Vox („Goodbye Deutschland“) erzählen, wie eseinem geht. Wenn noch was geht.
Daher hier noch einmal in aller Deutlichkeit: die RFGZ stehen nicht für «KeineRundfunkgebühren». Wir wollen einen unabhängigen, objektiven ÖR. Dies lässt sich nur gebührenfinanziert erreichen. Die Gebühren sollen jedoch „fairfür alle“ erhoben werden.
Wir haben schon mehrfach die Frage gestellt,
- ob die aktuellen Einnahmen des ÖR angemessen sind
- was denn unter «Grundversorgung» verstanden werden muss
Große Probleme lassen sich einfacher lösen, wenn sie in kleinere einzelneProbleme aufgeteilt werden. Dass der ÖR in Deutschlandmomentan ein großes Problem ist, — womit beschäftigen sich diese Seiten?
So teilen wir nicht die Meinung der Intendanten, dass zukünftig «mindestens soviel wie jetzt» an Gebührenaufkommen entstehen muss. Wir wüssten schon ganz gerne,wofür dieses Geld denn benötigt wird. Auch sehen wir nicht die Grundfesten derfreien Meinungsäußerungen erschüttert oder das Abdriften in einen Überwachungsstaat, wenn die Rundfunkgebühren über die Finanzämter eingezogen werden. Wenn wir an der Integrität unserer Finanzämter undPolitiker zweifeln müssten, hätten wir ganz andere Sorgen (siehe oben). In jedemFall sind Finanzämter erheblich vertrauenswürdiger als ein eigenwilliger Konstrukt,der sich «Gebühreneinzugszentrale» nennt, keine juristische Person ist, aberdennoch viele personenbezogenen Daten von Ämtern der Republik mitgeteilt bekommt.Die Vorteile einer Verfahrensvereinfachung, Datensparsamkeit, etc. spielen dabeizweifelsohne ebenfalls eine Rolle. Denn jeder Aufwand der entfällt, reduziertKosten und minimiert die Risiken.
So halten wir es beispielsweise für einen völlig übertriebenen Aufwand, dassGebühren an Geräten (Radio, Fernseher, „neuartige Empfänger“) festgemacht werden, was mittels kostspieliger „Rundfunkgebührenbeauftragter“ überwacht und mit einem undurchdringlichen Ausnahme-Regelwerk flankiert werden muss. Um Streitfälle kümmern sich dann die Verwaltungsgerichte, die dadurch entstehenden Kosten werden dann zum Großteil von der Allgemeinheit getragen. Es lebe die Einzelfallgerechtigkeit auf Kosten aller.
Wir sind in diesem Punkt bei der PC-Gebühr auch nicht besser, wir klagen schließlich auch.Aber wir machen uns Gedanken, ob es in Zukunft nicht anders gehen könnte:
- Für wen ist ÖR? Wir meinen: für alle Bürger
- Sollte die Finanzierung sozial verträglich sein? Wir meinen: ja
- Trauen wir unseren Behörden eher als Gebühreneinzugszentralen? Wir meinen: ein deutliches ja
- Sollten der ÖR im Internet statt finden? Wir meinen: Warum nicht?
- Sollte daraus ein weiterer Gebührenanspruch entstehen? Wir meinen: Nein. Genausowenig sollte ein Rentnerpaar sein Radio in der Gartenlaube extra bezahlen müssen. Oder ein Pendler seinen Fernseher in der notwendigen Zweitwohnung, ... (usw.)
Allerdings übersteigt es unsere Möglichkeiten, beschlussfähige Vorschläge zuliefern. Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln können wir Alternativenunterbreiten, Fragen aufwerfen und Anregungen liefern. Und selbstverständlichverfolgen wir die Entwicklung kritisch. Wenn wir der Meinung sind, dass etwas nichtpasst, ergreifen wir Initiative (siehe Urteil NDR). Und jede neue Informationgibt uns die Möglichkeit, unseren Standpunkt zu korrigieren oder zu verbessern.
Wobei grundsätzlich einer Prämisse gilt: ein Vorschlag muss konstruktiv sein. So muss uns der Musikanten-Stadl nicht gefallen. Aber es würde uns erheblich mehr missfallen, wenn Fernsehen nur noch für die «werberelevanteZielgruppe zwischen 14 bis 49 Jahren» stattfände, als Sportarten nur noch Fußballund Formel 1 mit dicken Sponsoren- und Werbeverträgen gezeigt werden und„Unterhaltung“ hauptsächlich im Ausweiden von sozial oder finanziell Gescheiterten,renovieren von Wohnungen, voyeuristischer Beobachtung von Auswanderern oderdokumentieren fragwürdigen Essgewohnheiten besteht.
Unser Ziel ist nicht die billigste Lösung für Einzelne, sondern ein fairerKompromiss für alle.

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