Rosen, Liebe & Co.

05.08.2008

Inzwischen stören mich die Werbepausen des Privatfernsehens weniger als die peinlichen Versuche von ARD und ZDF, die Privaten zu imitieren. Bastian Pastewka

Diesen Satz sollten sich die Verantwortlichen der ÖRRA (öffentlich-rechtlichen Anstalten) über die Eingangstür hängen. Denn je krampfhafter schlechte Kopien im „Staatsfernsehen“ Einzug halten, desto länger wird die Liste der Namen, die sich Herrn Pastewka anschließen. Ein klarer Beleg dafür, dass Geld nicht kreativ macht - eher das Gegenteil.

Trotz der reichlich vorhandenen Geldmittel sorgen sich Journalisten offenbar — begründeterweise? — um den Lohn ihrer Arbeit. Zudem entsteht der Eindruck, die Berichte der ÖRRA über China enthalten umgekehrt proportional objektiv-kritische Inhalte, je näher der Olympia-Start rückt. Dafür finden sich dann in den Privaten Berichte über Sklaverei und Kinderarbeit im Land des Friedensfestes 2008. Die Art der Berichterstattung lässt zwar noch Anleihen bei «Die Nanny» und «Der Schuldenberater» erkennen, allerdings zeichnet sich eine deutliche Entwicklung der journalistischen Qualität ab. Bei den ÖRRA kehrt sich der Prozess dagegen augenscheinlich um. Zumindest wird dieser Eindruck offenbar bestätigt, wenn sich sogar die Reporter der ÖRRA über die Trivialisierung ihrer Arbeit beschweren.

Da bäumt sich der „objektive Informationsauftrag“ der ÖRRA gegen die zunehmende Entfernung von dem auf, was öffentlich-rechtlichen Rundfunk von privatem lt. Selbstdefinition der ÖRRA unterschieden soll: «Inhalt». Von anderer Seite, aber in die selbe Kerbe schlägt eine Schelte von Bernd Gäbler. Er beklagt die «Invasion der Phrasen» im gebührenfinanzierten Rundfunk. Weniger Information, weniger Sprachniveau - lässt sich daraus möglicherweise der erste Sendetermin eines „Lederhosen-Films“ im Kinderprogramm bei ARD und ZDF interpolieren?

Nun gut. Das kann und wird nicht passieren. Denn das klassische Kinderprogramm wurde ja bereits vor geraumer Zeit abgeschafft. Zugunsten der „Invasion des Schmachtens“, oder wie sonst lassen sich so salbungsvolle Programmbeiträge wie «Sturm der Liebe», «Wege ins Glück», «Rose unter Dornen», «Rote Rosen», «Verbotene Liebe» und «Marienhof» klassifizieren? Selbst in der Titelwahl schlägt sich schon die Reduzierung des öffentlich-rechtlichen Sprachschatzes nieder. Einzig «Elefant, Tiger & Co.» lässt sich eventuell noch unter der Rubrik „Bildungsauftrag“ einsortieren, oder der anstaltsinterne Ideenklau «Pinguin, Löwe & Co.». Im „ZDF-Theaterkanal“ wird mit einer «Disko»-Aufzeichnung von 1975 die Notwendigkeit von Spartenkanälen eindrucksvoll unterstrichen.
Diese Aufzählung basiert auf dem heutigen Tagesprogramm von ARD und ZDF.

Wenn man sich dann die grobe Übersicht der Gebühren­verschwendung bei ARD/ZDF und GEZ ansieht, sehnt man sich richtig nach alten Klassikern wie «Gesundheitsmagazin Praxis», Schwerpunkt „Wie man Brechreiz bekämpft“. Allerdings zeichnet gerade dieses Format den Weg vor, der uns wohl jetzt in Sachen Qualität bei den ÖRRA generell bevorsteht: Niveau und Qualität werden erst ins Spätprogramm verschoben (s. Polit-Magazine), anschließend trivialisiert und sukzessive abgesetzt. Dann kann endlich „Rosen, Liebe & Co.“ ins Nachtprogramm einziehen. Oder Live-Übertragungen von den täglichen Beinrasuren der Nachrichten-Sprecherinnen. Wobei letzteres womöglich signifikant mehr Esprit hätte als „In aller Freundschaft» oder «Markus Lanz».

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