Wundert das jemanden?
17.11.2008
Die Berliner Morgenpost hat Zahlen aus der „Jugend, Information, Multimedia-Studie“ zitiert, die Ende November erscheint. Für klar Denkende ist das Ergebnis keine Überraschung. Die Jugend hört Radio (53%). Oder MP3-Player (46%). Der Prozentwert für Internet-Radio war offensichtlich derart peinlich, dass man sich den verkniffen hat.
Ist ja auch praktisch, so eine („analoge“) Radiowelle. Die ist einfach da, selbst bei miesem Wetter klappt es noch mit dem Empfang - rauscht vielleicht ein bisschen, aber immer noch besser als „Unterbrechungsradio“ aus dem Internet. Am besten ist jedoch: Dafür gibt es kleine, handliche, ausgereifte Geräte, die selbst für wenig Geld schon ordentlich Qualität produzieren. Jugendliche, die per Handy hören (27%) tun das, weil die Hersteller dort Radio-Empfänger einbauen - für ein paar Cent Material ein schlagkräftiges Verkaufsargument in der Zielgruppe lässt sich niemand entgehen.
Daher ist die „Überraschung“ der jugendtlichen, handyradiohörenden Radionutzer genau genommen keine. Das schleppen sie eh mit sich rum und es ist der Ersatz für den Gettoblaster aus den 80ern. Wobei der meist besser klang als der völlig überforderte, auf „Brüll“ eingestellte Lautsprecher eines Handys, um das sich sabbernde Teenies um den aktuellen Tokio-Hotel Hit scharen. Die Reaktion der weniger involvierten Umstehenden ist heute wie in den 80ern die Selbe. So mancher Jugendliche aus den 80ern versteht heute, warum die Erwachsenen damals den Kopf geschüttelt haben.
Aber es droht Ungemach: Die öffentlich-rechtlichen Anstalten (ÖRRA) wollen auf Digitalradio umschwenken. Besser heute als morgen. Da wurden Unsummen Geld hinein gepumpt und interessiert trotzdem kein Schwein. Jetzt soll es wohl „durchgeprügelt“ werden. Offenbar stört sich jemand daran, dass man analoges Radio so zuverlässig und stressfrei empfangen kann. Wer zu Hause eine DVB-T-Anlage hat, weiß, was uns erwartet: Schlechtere Qualität, deutlich mehr Aufwand, teurere Geräte. Da kann der schlichte Bürger sich doch mächtig freuen und frohlocken: Ha-lä-lä-lä-lu-u-hu-hiah!
Ob es dafür ein Zurück gibt oder irgend wer von den technikverliebten Entscheidern über den Zaun schaut, - wer weiß das schon.

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