Eimerweise Scheiße

26.01.2009

So ehrlich waren die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten noch nie. Vielleicht muss man erst so viel Kohle wie Gottschalk mit ihnen verdient haben, damit ein freier Geist die Wahrheit sagen kann. Vielleicht ist es ja auch die Reife des Alters: Da lässt Gottschalk eimerweise Scheiße auf die Bühne karren und der Zuschauer kann froh sein, dass es noch kein Duftfernsehen gibt. Denn dass war Ziel der Aktion: Die Scheiße am Geruch erkennen.

Als ob Anschauen nicht schon reicht. Da betont Gottschalk dann „eure Scheiße können wir schon lange“ mit Verweis auf das Dschungelcamp von RTL. Wie weise. Endlich gibt mal jemand bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten zu, was da tagein tagaus passiert.

Immerhin — lt. Gottschalk war es wenigstens frische Scheiße, die da serviert wurde („Frisch abgekotet“). Das dann auf silbernem Tablett servieren - das kommt einer modernen Parabel gleich: Die Scheiße ist das tägliche, öffentlich-rechtliche Programm, die Erschnüffler sind die Zuschauer und das silberne Tablett sind die Rundfunkgebühren.

Wenig verwunderlich, dass die Tierpfleger alles errochen. Passt wieder in die Parabel - der Zuschauer ist nicht so doof, wie ihn sich die öffentlich-rechtlichen Häufchenmacher wünschen. Der „Wettkönig“ gab dem Ganzen noch sein Sahnehäubchen. Er fischte mit der Zunge Viagra aus angespannten Mausefallen. Gottschalk titelte „So nehmen Masochisten Viagra“ - in unserer Parabel kommt es dem Zuschauer gleich, der sich die wenigen wirklichen Perlen, die es dann doch gibt, aus dem Programm fischen muss. Meistens mitten in der Nacht, zu Zeiten versendet, die es einem rechtschaffenen Bürger unmöglich machen, daran teil zu haben. Oder sinnfrei in einem Spartensender versenkt - am besten sicherheitshalber trotzdem nach Mitternacht. Wer von den öffentlich-rechtlichen Qualität will, muss schon ein teilweise ungesundes Maß an Schmerz (Schlafentzug) und Demütigung (das Tagesprogramm) ertragen.

Frau Niebler, Politikerin aus Bayern, ist mit Tierausscheidungen wohl etwas überfordert. Bei Ihrer politischen Heimat ist das aufgrund der Infrastruktur sicher hart. Wenn sie jetzt von „Verfall der guten Sitten“ spricht und etwas dagegen unternehmen will, keimt Hoffnung auf: Vielleicht muss die ganze Scheiße - ob nun frisch abgekotet, abgedreht, aufgezeichnet oder live - nolens volens gleichbehandelt werden. Dann könnte es zwar passieren, dass wir zwischen 1 Uhr nachts bis 16 Uhr wieder das gute alte Testbild bekommen. Aber für die restliche Zeit könnte durchaus genügend „wohlriechendes“ Material vorhanden sein, um ein ernsthaftes Konkurrenzprogramm zu den Privatsendern hinzukriegen.

Testbild ZDF

Mit freundlicher Genehmigung von tv-testbild.com

P.S. Die neue „Dschungelqueen“ von RTL passt übrigens ebenfalls wunderbar in die Parabel: Wenn beim Erfinder der „werberelevanten Zielgruppe“ (14-49 Jahre) eine 77-jährige die Krone davon trägt, wird das „selektive Angebot“ zumindest laut in Frage gestellt.

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