Qualitätsjournalismus

28.02.2009

Gastkommentar

Flugzeugabsturz in Amsterdam, kurz vor dem Flughafen Schiphol - neun Tote,viele Verletzte, und bislang keine Hinweise auf die Unglücksursache.

Was für die direkt Betroffenen und die Angehörigen der Opfer eine menschlicheTragödie darstellt, ist für die ARD etwas ganz Anderes: nämlich die Gelegenheitzu zeigen, wie unersetzlich und wichtig die Präsenz der Öffentlich-Rechtlichen imInternet ist.

Aus Sicht der ARD hat sich das Unglück dummerweise im falschen Land, nämlich den Niederlanden ereignet - aber zum Glück gibt es auch dort Öffentlich-Rechtliche, undwenn man schon selbst nichts beitragen kann zur Aufklärung des Unglücks, dann kannman doch wenigstens die grundsätzliche Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Internet-Auftritts in Europa herausstellen.

Wie das gehen soll? Ganz einfach: erst mal zeigt man, daß die private „Konkurrenz“ im Internet zwar schnell handelt, und sehr zeitnah Augenzeugenberichte lieferte - da konnten die holländischen Dependencen von ARD und ZDF einfach nicht mithalten.

Müssen sie auch nicht - denn wichtig ist ja was ganz anderes: auf den Aufruf der Behörden, Bilder zur Aufklärung zu liefern, haben nach Meinung der ARD nur die Nutzerder öffentlich-rechtlichen Internetseiten richtig reagiert. Die haben nämlich „sehr viel mehr Bilder eingeschickt“.

Wo die „private Konkurrenz“ schon einen Tag nach dem Unglück nichts mehr liefern kann,da steigen die Öffentlich-Rechtlichen dick ein: eine ganze Bilderstrecke mit über 50Bildern dokumentiert, was sich die ARD unter „weitergehenden Informationen zum Unglück“ und „Beiträgen zur Klärung der Unglücksursache“ vorstellt:

  • Unscharfe Bilder der abgestürzten Maschine, mit Handykameras im fahrenden Auto aufgenommen
  • Landende Rettungshubschrauber
  • Parkende Gaffer auf dem Standstreifen
  • Gaffer, die an der Autobahn stehen und das Unglück begutachten
  • Rettungswagen im Stau
  • Den Abtransport von Toten und Verletzten per Bahre
  • Bauer Jahnsen mit seinem Traktor beim Helfen

Da kann die private „Konkurrenz“ natürlich nicht mithalten - für solchen Qualitätsjournalismusbraucht man Öffentlich-Rechtliche, und ohne deren Internetauftritt (und die Bilderstrecke!) wären die Behörden sicher aufgeschmissen bei der Klärung des Falls.

Und da die Behörden sicherlich etwas Zeit brauchen werden, um diese Bilder auszuwerten, wäre eine zeitliche Begrenzung für die Verweildauer im Netz auch hinderlich - oder?

Das ist Qualitätsjournalismus live!

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