Fernsehsport ist schlecht für die Leber

06.03.2009

Zu Sportübertragungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehören grundsätzlich flankierende Werbeeeinheiten. Dabei spielt die Uhrzeit keine Rolle - bis 20:00 Uhr ist es Werbung, danach nennt man das „Sponsoring“. Sponsoring hat den Vorteil dass es zwar Werbung ist, aber eben nach 20:00 Uhr noch gesendet werden darf - weil es ja dann keine Werbung ist, sondern Sponsoring.

Bei so viel verbaler Flexibilität und Definitionsstärke lässt sich sicher annehmen, dass ARD und ZDF Werbung für „Hefesprudel“ in diesem Zusammenhang eine bessere Beschreibung als „Alkoholwerbung“ haben. Es handelt sich dabei sicherlich um „Erfrischungsgetränke“. Zu dumm, dass eine aktuelle Studie belegt, wie sehr Werbung für „Erfrischungsgetränke“ im Fernsehen den Alkoholkonsum ankurbelt.

Genaugenommen ist das Ergebnis nicht wirklich überraschend; - wäre die Werbung wirkungslos, wäre es sinnlose Geldverschwendung, sie zu den teuersten Sendezeiten auszustrahlen. Da die Getränkehersteller ihre Ware verkaufen müssen, und nicht - wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten - von Gebühren leben, wäre es ökonomischer Selbstmord, würde diese Investitionen keinen Effekt hervorrufen. Im konkreten Zusammenhang bedeutet das: mehr Umsatz. Für die Getränkeindustrie und für die Rundfunkanstalten. Denn Stützstrumpf-Hersteller wissen, dass eine Werbung während eines Fußballspiels keinen umsatzfördernden Effekt hat und versuchen es deshalb erst gar nicht. Die Studie belegt: Sportsendungen motivieren zu mehr saufen, mehr Arbeit für die Leber, mehr Unfalltoten, mehr Schaden für die Volksgesundheit, mehr Kosten für die Krankenkassen und somit erheblichem Schaden für unsere krisengeschüttelte Volkswirtschaft.

Was für die Alkoholwirtschaft gut ist, ist laut Aussagen der öffentlich-rechtlichen Oberen ein Muss. Denn erst mit den Werbeeinnahmen sei ein solch ausgefeiltes Programm, wie es uns die öffentlich-rechtlichen Anstalten bieten, möglich. Das Streichen von Werbeeinnahmen wird verbal gerne mit dem Untergang des Abendlandes gleichgesetzt. Für die Volksgesundheit gibt es Krankenkassen und das «Gesundheitsmagazin Praxis». Ach nein - das wurde vor ein paar Jahren abgesetzt. Ob es an der schlechten Platzierbarkeit von Konsumgütern im Umfeld der Sendung lag, lässt sich von hier aus nicht sagen.

Außerdem ist dem ZDF die Volksgesundheit ja nicht völlig legal. Für das „Gesundheitsmagazin Praxis“ bietet das ZDF ja hinreichend Alternativen, wie zum Beispiel „Der Landarzt“, „Der Bergdoktor“ und „Dr. Martin“. Da trifft man sich auch ganz gern mal in der Kneipe und hebt den Krug. Was in Bayern als Grund­nahrungs­mittel gilt, kann für die Volks­gesundheit so schlecht nicht sein. Daher interessiert sich wohl insbesondere die Werbewirtschaft und das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht für die Studie. Die ist schlecht für´s eigene Geschäft.

Da Sportsendungen überwiegend von Männern angesehen werden, hält man es bei den öffentlich-rechtlichen offenbar an Erkenntnis eines unbekannten Autors: «Deutsche Männer sind die einzigen auf der Welt, die über ein Dutzend nackte Frauen hinwegsteigen würden, um zu einer Flasche Bier zu kommen.» Wer jetzt noch behaupten will, die öffentlich-rechtlichen würden sich nicht um die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe kümmern, wird mit deren Werbestrategie als Lügner gebrandmarkt. Na dann: Prost!

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