Passt schon!

14.03.2009

Schon mal was von «Kikaninchen» gehört? Das ist kein Schreibfehler. Das ist eine neue Idee der öffentlich-rechtlichen, genauer gesagt: Des MDR. Auf 21 Seiten wird skizziert, was die Menschheit glücklicher und zufriedener machen soll: Ein weiteres Kinderportal im Internet. Ohne Werbung, sogar ohne Sponsoring, und völlig umsonst.

Dass es zumindest nicht kostenlos ist, gilt in mehrfacher Hinsicht:

  • Das Gutachten auf der Grundlage der sehr vage formulierten «Angebotsbeschreibung für www.kikaninchen.de ein Portal für Vorschüler» soll mehr als 200.000 € gekostet haben. Sagt die FAZ.

  • Die Betriebskosten des Internet-Portals sollen sich - lt. «Angebotsbeschreibung» auf 320.000 € pro Jahr belaufen.
    Wobei nicht ansatzweise erläutert wird, wie sich dieser Betrag zusammen setzen soll. So bleibt u.a. unklar, wie viel Personal sich mit der Erstellung und Pflege beschäftigen sollen. Bei 320.000 € im Jahr kann das keine besonders umfangreiche Mannschaft sein. Denn es kommen ja noch Kosten für Miete der Redaktionsräume, Heizung, Ausstattung, Betriebskosten für das Internet-Portal, Lizenzkosten, etc., etc., etc. hinzu. Betriebswirtschaftlich ist diese Aussage völlig unhaltbar, weil nicht belegt.

  • Dass sicherlich an anderer Stelle im Rundfunkverbund Kosten für Zuarbeiten entstehen, spielt in den Überlegungen offensichtlich ebenfalls keine Rolle. Die werden ja woanders verbucht. Welche Kosten dieser Mehraufwand verursachen wird, kann nur spekuliert werden.

Objektiv betrachtet ist das Angebot sicher «umsonst», denn es gibt Vergleichbares, das sich selbst finanziert und von den Verbrauchern angenommen ist. Auf ein gebühren­finanziertes Konkurrenzangebot hat die minderjährige Zielgruppe sicher nicht gewartet.

Das „Gutachten“ sieht das natürlich anders. Für über 200.000 € entscheiden sich die «European Ecconomic & Marketing Consultants» im Resümee eindeutig zugunsten des Auftraggebers. In Ermangelung eines ordentlichen Impressums und nichtssagenden Phrasen auf deren Webseite, sowie einer Webseiten-Registrierung auf einen nirgends im Webangebot erwähnten Herrn auf eine nirgends auf der Webseite zitierten Adresse (in Belgien), ist eine Überprüfung der Reputation dieses Unternehmens, sowie deren Verflechtung mit Interessengruppen, geschweige denn deren vage erwähnten Mitarbeiter, schwierig bis unmöglich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wobei es sich bei deren Cheffin um eine europaweit sehr umtriebige Dame handelt, wie eine Suchanfrage bei Google zeigt.

Unser Fazit: Mit dem „3 Stufen Test“ haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten das perfekte Werkzeug in den Händen, mit dem sie sich den letzten Mist höchstgutachterlich selbst genehmigen können. Denn mit einer derart inhaltsleeren Projektbeschreibung und einem solch soliden Auftragsvolumen wird sich kaum ein Gutachter finden, der ersteres in Frage stellt. Allein schon, weil der Schreiber des Pamphlets darüber entscheidet, wer sein Kritiker sein soll: Warum sollte der sich einen Hund kaufen, der auf den Teppich kackt. Doch selbst dieses „Worst Case Scenario“ ist keins, weil es ist noch eine Sicherung in Form der „dritten Stufe“ eingebaut. Denn das „Wischkommando“, bestehend aus dem Rundfunkrat, der wiederum Auftraggeber ist. Der erklärt uns dann ohne Schamesröte im Gesicht, dass fäkal behandelte Teppiche gut für unser Wohnklima sind. «Kika» und «Kaka» liegen ja nahe beieinander.

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