Gegen die Krise

06.04.2009

Die Abwrack-Prämie der Bundesregierung hat die ARD motiviert, ins selbe Horn zu blasen: Was Angie kann, können wir schon lange, ist wohl die Devise. Mit einem kleinen Unterschied: Abwracken ja, Prämie nein.

Das Siechtum des DAB wird mit ordentlichen Finanzspritzen verlängert und soll den ARD-Kunden „alles besser, alles schöner“ machen. Mit einem Gerätehersteller – wobei es viel mehr mittlerweile nicht mehr gibt – wird nun als Projekt beim bayrischen Rundfunk ein offensiver Neustart versucht: 3000 Geräte werden ausgelobt. Dank zum Jahresanfang erhöhter Rundfunkgebühren kann man diese Geräte großzügig unter den Zuhörern verlosen. Wobei das natürlich erst mal auf UKW passieren muss, denn DAB hat fast niemand, die Gewinnchancen für die wenigen dort zu erwartenden Teilnehmer wären unverhältnismäßig hoch. Demnach soll UKW sich selbst das Loch graben, in das es dann gestürzt werden soll. Wobei das Verteilen von 3000 Geräten zwar die Anzahl DAB-Hörer signifikant erhöhen könnte, im Vergleich zu UKW-Hörern aber im Grundrauschen des analogen Signals untergeht. Aber vielleicht bringen die verlosen Geräte ja einen neuen Boom für E-Bay, wobei auch Flohmärkte dankbare Abnehmer von Sachen sind, die man nicht braucht oder nicht will.

Die Verwerfungen im DAB-Standard zwingen wohl dazu, dass man Geräte verschenkt. Denn kaufen wird sie zumindest in Deutschland kaum einer freiwillig. Warum sollte man sich ein Gerät kaufen, das nur ein eingeschränktes Programm-Angebot hat und das dann häufig noch schlechter wiedergibt, als die gute alte UKW-Kiste? Wobei selbst für Willige das Problem auftritt, dass das Kaufen eines DAB-Radios schon einiges an Durchhaltewillen erfordert. Während WLAN-Radios in den Sortimenten des Fachhandels angekommen sind, ist die Frage nach DAB-Radios durchaus als Kompetenz-Test für den Verkäufer geeignet. Im Internet finden sich zwar noch Angebote, aber der relativ häufige Eintrag „z.Z. nicht lieferbar“ ist kaum der immensen Nachfrage geschuldet.

Zu allem Überfluss gibt es in der Republik sogar Regionen, in der die zuständigen Sender lieber in neue UKW-Sender investierten, statt Geld in den DAB-Auf- bzw. Ausbau zu stecken. Da fragt sich der aufmerksame Beobachter schon, aus welchem Kraut die ARD-Oberen ihren Tee machen.

Wenn die ARD ernst machen sollte und die UKW-Frequenzen abschaltet, würde das die stockende Diskussion um die Rundfunkgebühren sicher wieder beleben. Denn die mehr als überschaubare Anzahl der verkauften DAB-Geräte könnten den ein oder anderen Richter schon ins Grübeln bringen, ob es sich beim Radio-Angebot der ARD ausschließlich auf DAB wirklich um ein öffentliches Angebot handelt. Die Privatsender hingegen wären fein raus: Da UKW nicht mehr zum „öffentlich-rechtlichen Standard“ gehören würde, könnte man Privatradio womöglich gebührenfrei genießen. Neben den immensen, praktisch nicht einnehmbaren Investitionskosten ein durchaus interessanter Aspekt für die Privatsender.

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Kommentar von Paul | 07.04.2009

Einen Sinn würde die Digitalisierung des Radios nur dann machen, wenn für den Hörer damit auch eine wesentlich bessere Tonqualität verbunden wäre, wie es seinerzeit bei dem inzwischen wieder eingestellten DSR der Fall war. Solange aber ein guter UKW-Empfänger eine erheblich bessere Tonqualität bietet als DAB, sehe ich keine Veranlassung, überhaupt über die Anschaffung eines DAB-Empfängers nachzudenken. Zumal das Rundfunkprogramm gegenüber früher nicht wirklich ein Qualitätsprogramm mehr ist. Seichtes Gedüdel, unterbrochen von dummen Gelabere spätpubertierender Moderatoren und dümmlicher Werbung. Das tue ich mir wirklich nicht an. Schade eigentlich, denn früher war ich mal ein treuer Radiohörer.