Klassiches Radio im Aufwind
09.04.2009
Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben Grund zur Freude: Die aktuelle «MEDIA-ANALYSE RADIO» zeigt unumstößlich, dass sich das klassiche Radio im Aufwind befindet. Wobei davon nur die öffentlich-rechtlichen profitieren, während die Privatsender zum teil herbe Einbußen hinnehmen müssen.
Im Erfolgsjubel könnte da eine Frage untergehen, die jetzt umso mehr im Raum steht: Wo bitte ist die Bedrohung durch die «neuen Medien»?
Obwohl gerade im vergangenen Jahr ein massives „Wettrüsten“ im Internet stattgefunden hat, konnten diese Anstrengungen offenkundig keine Neukunden gewinnen - im Gegenteil: Der Media-Analyse zufolge haben insbesondere junge (!) Hörer - das Angebot der öffentlich-rechten Anstalten entdeckt. Die Argumentation der gebührenfinanzierten Anstalten, das kostenintensive Engagement - was wiederum die Rundfunkgebühr für das Internet rechtfertigen soll - wäre erforderlich, um «die Jugend» zu erreichen, bekommt damit überraschend große Löcher.
Diese Zahlen sollten eventuell auch Prüfstein für die von den öffentlich-rechtlichen Anstalten geplante«DAB-isierung» sein. Denn es darf stark bezweifelt werden, dass gerade Jugendliche und Auszubildende das erforderliche Kleingeld haben, den preiswerten UKW-Empfänger gegen ein hochpreisiges DAB-Gerät einzutauschen. Ganz zu Schweigen von dem Aspekt, dass es zwar reichlich Handys mit UKW-Empfang gibt, aber kein einziges, das DAB empfängt.
Denn diesen Aspekt wird in der Studie gar nicht berücksichtigt: Gerade bei den Jugendlichen könnte sich der Zuwachs womöglich in hohem Maße durch die seit Anfang 2008 übliche Ausrüstung nahezu aller Handys mit UKW-Empfängern begründen. Das Handy haben alle Jugendlichen immer in Griffnähe. Ohrstöpsel rein und die nervigen Erwachsenen sind «draußen». Mit einem exklusiven DAB-Angebot könnte es den öffentlich-rechtlichen so gehen. Dann wären sie «draußen». Betrachtet man die stagnierende Verbreitung von Digital-Video auf Handys, lässt sich zumindest leidlich fundiert eine Vorhersage über den Erfolg eines Medienwechsels treffen. Was die Reichweite betrifft könnte das - vorsichtig prognostiziert - in die Hose gehen. Wobei die gebührenfinanzieren Anstalten gern streng alphabetisch vorgehen: Was zuerst kommt, wird gemacht. Wenn dabei «Ignoranz» und «Vernunft» zur Wahl stehen,… .
In diesem Sinne: Frohe Ostern!

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