Gehemmt verklemmt

15.05.2009

Der Westen ist verklemmt. Das haben die „Ossis“ schon immer gewusst, jetzt untermauert das der Sender mit dem „West“ im Namen. Beim WDR darf nur nach dem Sandmännchen lustvoll gestöhnt werden. Frei nach dem Motto: «Die Kinder sind im Bett, jetzt machen wir´s uns nett».

Wenn bei der Lindenstraße oder den diversen „Irgendwas mit Liebe“-Serien im öffentlich-rechtlichen Vorabendprogramm einfach nur rumgemacht wird – ohne politische Gespräche – dann ist das für die WDR-Verantwortlichen wohl in Ordnung. Aber „Popo“ - also „Poppen und Politik“ - übersteigt wohl den Moralkodex der Wächter über Kinder und Heranwachsende. Dann doch lieber noch einen Bierspot vor dem Sandmännchen, damit die Kids wissen, mit was sie sich das nächste Mal ins Koma saufen sollen.

Ob es wohl eine vergleichbare Reaktion gegeben hätte, wenn es im Spot zwei CDU-Anhänger auf dem Balkon treiben würden? OK, das ist dann Erregung (in) der Öffentlichkeit, zu deren Ärgernis für mache (und dem Gesetz). Aber, ein Schelm wer Böses dabei denkt, dass die Partei, deren vermeintlich lustvoller Spot jetzt in den Abend verbannt wurde, womöglich der wahre Auslöser für diese Entscheidung ist. Bis jetzt hat den keiner wirklich gehört - das wird sich nun sicher ändern.

Womit mal wieder belegt ist, wie naiv so mancher öffentlich-rechtlicher Rundfunkmacher ist. Denn – das sei hier aufrichtigerweise eingeräumt – hätte der WDR den Spot nicht „abgestraft“ - er wäre unbemerkt an uns und vermutlich den meisten Bundesbürgern vorübergezogen. Jetzt, dank Medienecho, werden interessiert Pubertierende, lächelnd Unverklemmte und natürlich das konservative Lager zur untermauerten Verurteilung des sittlichen Verfalls der „Heiden“, gespannt vor den Radios lauschen, was der fürsorgliche WDR Rundfunk ausblenden will. Da in jedem Jugend-Handy mittlerweile ein Radio drin ist, das üblicherweise griffbereit neben dem Bett liegt, ist das doch die beste Gutenachtgeschichte, mit der ein(e) pubertierender Jugendliche(r) in jetzt womöglich feuchten Träume gleitet. So interessant war WDR4 für Heranwachsende wahrscheinlich noch nie.

Und – sollte das der eigentliche Grund gewesen sein – das Wegblenden einer unerwünschten Meinung ging derart gründlich in die Hose, dass die Linke sich sicher darüber freut, dass die „Wessis“ so verklemmt sind. Dieser Werbemultiplikator ist unbezahlbar. Da sage noch einer, das Rundfunk über den Parteien stünde. Der WDR hat sich mit dieser Aktion in jedem Fall eingemischt - egal mit welcher Argumentation jetzt versucht wird, diese Einmischung zu rechtfertigen.

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