Wie man Rundfunkgebühren verbrennt

21.06.2009

Alle öffentlich-rechtlichen Sender streben danach, eigene «Mediatheken» einzurichten. Das sind - wenn man sich die Zahlen von ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky genauer ansieht - Videoportale, in denen man den Kram anbietet, den der Zuschauer viel lieber auf den klassischem Weg ansieht, also schnöde mit einem „altmodischen Fernsehgerät“. Oder wie sonst ist erklärbar, dass die Mediathek statistisch im Jahr 2009 gerade mal knapp über 15.000 Zuschauer mit „neuartigen Rundfunkempfängern“ haben wird? Dafür ist der Betrieb dann doch recht aufwändig und - vor allem - exorbitant teuer.

Da nicht nur das ZDF, sondern die ARD und immer mehr Landesrundfunkanstalten Mediatheken einrichten, sind die Zahlen des ZDF beängstigend. Denn die öffentlich-rechtlichen Anstalten wollen sich den Gebührenmarkt Internet erschließen und errichten dafür große Gebührengeld-Scheiterhaufen mit den Mediatheken, die offenbar kaum keiner will. Und die Haufen brennen hell und hoch und fressen sich immer schneller durch die Gebührenmilliarden. Diese werden dann immer schneller nicht reichen und bei stetig sinkender Qualität des Angebots werden wir Gebührenzahler wohl immer mehr Geld in die Flammen werfen müssen.

Wenn Sie sich jetzt fragen, wie wir darauf kommen, dass nur 15.000 Zuschauer die Mediathek nutzen, dann ist das schnell erklärt: „Der Deutsche“ schaut - statistisch betrachtet - großzügig abgerundet 3 Stunden fern. Mit den Mediatheken wird begründet, dass PCs „neuartige Rundfunkempfänger“ sind, also darf das Angebot dort mit den Nutzungsgewohnheiten eines „altmodischen“ Rundfunkempfängers verglichen werden. Wir haben die von Herrn Bereczky genannten 12.000 Terrabyte Daten genommen, und anhand der «100sec» Heute-Sendung vom 4.06.2009 die Datenmenge für 100 Sekunden Videostrom bestimmt (21.2MB).

100 Sekunden «heute» ergeben 21.2 MB Daten. Dann entsprechen 12.000 Terrabyte Daten 16.487.044,03 Stunden Video. Teilt man diese Zahl durch 3 Stunden pro Tag und 365,25 Tage für das Jahr, bekommt man als Ergebnis 15.046,36 Zuschauer. Statistisch. Legt man einen günstigen Preis von 20 Cent pro GB als Transferkosten zu Grunde, haben diese 15.045,36 Zuschauer das ZDF 2.457.600,00 € gekostet. Nur für den Transfer, also ohne die sonstigen Kosten für den Internet-Auftritt der Mediathek. Im Gegenzug bezahlt ein Rundfunkgebührenzahler für „neuartige Rundfunkempfänger“ pro Jahr 69,36 €. Den Transferkosten stehen also Einnahmen von maximal 1.043.615,22 € gegenüber. Denn es ist ja keineswegs gesichert, dass jeder Mediathek-Besucher wirklich Rundfunkgebühren bezahlt: Für den Besuch muss man sich nicht als gebührenzahlender Zuschauer ausweisen.

Einmal mehr sehen wir unsere Befürchtungen bestätigt, dass die Internet-Präsenzen der öffentlich-rechtlichen nur Wenigen nutzen, aber die Gebühren explosionsartig anwachsen lassen. Allein die Transferkosten werden stetig steigen und werden schon jetzt von den dafür erzielbaren Gebühren nicht gedeckt. Das könnte eventuell klappen, wenn die volle Rundfunkgebühr (215,76 €) pro Jahr für „neuartige Rundfunkempfänger“ erhoben würde. Aber für jeden „neuartigen Rundfunkempfänger“, denn einmal zahlen und von zwei getrennt schauen (z.B. bei einem Ehepaar) sprengt schon wieder das Budget. Aber das ließe sich nicht bei größeren Firmen durchsetzen, die würden Ihre Rechtsabteilungen aktivieren. Das weiß man bei den Rundfunkanstalten und holt sich das Geld deshalb lieber beim verhältnismäßig wehrlosen Bürger und kleinen Unternehmen.

Bedenkt man, dass das ZDF z.B. für die Serie „Dr. Martin“ DVDs bewirbt, die erworben werden können, stellt sich die Frage, wozu eben diese Serie für enorme Kosten in der Mediathek angeboten wird. Da es sich dabei sicher nicht um den gern zitierten „Bildungsauftrag“ handelt, der mit dieser Serie bedient wird, ist dieser betriebswirtschaftliche und medienpolitische Wahnsinn umso unverständlicher.

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