Gekaufter Journalismus?

22.07.2009

«Report Mainz» ist für seine etwas reißerischen Berichte bekannt. Aber hart ist das schon: Wird von unseren Politikern „Journalismus gekauft“?

Wichtiger Hinweis: Das ist NICHT der Originalbericht von Report, sondern eine Version, die so bei YouTube angeboten wird. Das Original findet sich auf der Homepage des SWR, Sender von «REPORT MAINZ».

Das ist jetzt erst mal ein echter Hammer und natürlich ein schlagendes Argument für unabhängigen Journalismus. Zwischen den Zeilen des Berichts liest es sich prima heraus: Das kann nur öffentlich-rechtlicher Rundfunk leisten. Zugegeben: So war es mal gedacht.

Nimmt der interessierte Betrachter einige Aussagen des Berichts unter die Lupe, ergeben sich ein paar Fragen:

  • Wie kann eine ehemalige Mitarbeiterin einer Werbeagentur im Archiv des ehemaligen Arbeitgebers blättern?
    Das wird mehrfach gezeigt und der Eindruck erweckt, das fände im Internet statt. Ansonsten täte sie ja was Verbotenes, wenn es nicht frei zugänglich wäre. Aber offenbar hat die Agentur nach Ausstrahlung des Berichts das «Archiv» aus dem Netz genommen. Denn auf den Webseiten findet sich nichts dergleichen.
  • Die im Bericht als so schwer erreichbar angemahnten Impressi von privaten Rundfunkstationen haben wir recht schnell gefunden - ein Klick auf «Impressum» auf den Startseiten und man ist da. Was wir dort allerdings nicht gefunden haben, waren die Verweise auf eine Werbeagentur, die presserechtlich für das Angebot verantwortlich sein soll.
    Das haben alle im Bericht gezeigten Sender sicher ebenfalls nach der Ausstrahlung entfernt. Denn sonst wäre es ja wohl da.

Zweifellos beschreibt der Bericht etwas Ungeheuerliches. Da werden Bürger mit Steuergeld weichgespült. Ohne Frage ist es Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Anstalten, derartiges Aufzudecken. Es hat jedoch einen etwas faden Beigeschmack, wenn die für Interessierte leicht prüfbaren Elemente des Berichts einer Nachprüfung nicht standhalten.

Haben Sie´s gemerkt? Der Bericht ist schon über ein Jahr alt. Also „Schnee von gestern“ und thematisch womöglich überholt. Allerdings wird er vom SWR tapfer auf der Webseite als redaktioneller Beitrag angeboten. Unkorrigiert.

  • Ist das nicht ebenfalls „irreführend“?
  • Wäre es nicht „unabhängig objektiv“, Korrekturen der Impressi und Inhalte bei den Privatsendern anzumerken? Falls es die überhaupt gab, was sich von uns nicht nachprüfen lässt.
  • Was ist Verwerfliches daran, wenn Privatsender identische Inhalte haben und das im Impressum zweifelsfrei als Arbeit einer Werbeagentur gekennzeichnet ist?
    Das ist zumindest ehrlicher als so mancher Bericht, bei dem man seine Tendenz mühsam zwischen den Zeilen herauslesen muss und der zu allem Überfluss auch noch von GEZ-Gebühren bezahlt wurde.

Und hier - ausnahmsweise - Werbung. Aber von der wirklich coolen Sorte:

Klaut euch meine Musik aus dem Netz. Werbung von Thomas D.

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Kommentar von RL | 22.07.2009

Was den Vorwurf des käuflichen oder korrumpierten Journalismus betrifft, so sitzt der ÖR-Parteibonzenfunk doch selbst im Glashaus. Für jeden aufmerksamen Beobachter muß offensichtlich sein, daß die Geschäftsidee der Anstalten darin besteht, sich durch Propaganda, Stimmungs- und Meinungsmache für bestimmte politische Kreise unentbehrlich zu machen. Diese sorgen dann im Gegenzug über ihre Marionetten in den sog. Aufsichtsgremien der Anstalten dafür, daß den Anstalten alles, was sie wollen, abgenickt wird und sie ihre ungezählten geschäftlichen Aktivitäten ungebremst erweitern können, ob es mit ihrem öffentlichrechtlichen Programmauftrag zu tun hat oder nicht.
Von diesem Geschäftsmodell profitieren sowohl die Anstalten wie die Politiker seit Jahrzehnten bestens. Mit der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist das natürlich nicht vereinbar. Die meisten seiner Urteile zum Rundfunkrecht sind von dem Gedanken durchzogen, derartige Praktiken auszuschließen.