Die Reise zum Mond

04.08.2009

Das ZDF hat richtig in die Kasse gegriffen. Modern soll es sein. Zukunftsweisend. Heraus gekommen ist etwas „Möchtegern modernes“ das zwar unverkennbar auf dem Stand der Technik ist, aber erschreckend altbacken und gleichzeitig verspielt wirkt.

In den Foren des ZDF wird das neue Layout der „heute“-Redaktion mit der aktuellen Kamera verglichen. Die Redakteure nennen das neue Studio „grüne Hölle“ (Quelle: Welt-Online), die Optik erinnert ein bisschen an die aktuelle Farbgebung von Einbauküchen von „Wohnen nach Wunsch“ bei VOX, nur nicht so wertig. Insgesamt sieht alles sehr künstlich aus – sogar die Moderatoren. Die sind mit einer „Aura“ umgeben, die zeigt „eigentlich sind wir hier gar nicht, sondern nur reingestanzt“. Der Nutzen so mancher „Neuerungen“ für den Betrachter ist zweifelhaft:

Groß? Anklicken! Groß? Anklicken!
Groß? Anklicken! Groß? Anklicken!

(Screenshots der „heute“-Sendung vom 01.08.2009, 19:00 Uhr, "Mediathek-Ausgabe" des ZDF,
Wiedergabe auf Grundlage von § 51 UrhG)

  1. Was ist das für eine komische Weltkarte im Hintergrund? Offenbar konnte man sich nicht so recht zwischen „flach“ und „Schattendesign“ entscheiden. Daraus entsteht eine Karte, die an einigen Grenzen eigenwillige Schattenwürfe hat, an anderen nicht. Sollen das eine „politische Weltkarte“ sein? Das wäre fragwürdig, denn es wäre wertend, was einer „objektiven“ Nachrichtensendung nicht zusteht.
  2. Welchen Zweck – außer Ablenkung – haben die „animierten Linien“ im Hintergrund?
  3. Wie häufig muss eingeblendet werden, dass man gerade ZDF schaut?
  4. Hat man bei den Kontrasten und den Schriftgrößen an Farbenblinde und Leute gedacht, die womöglich nicht so gut sehen oder deren Geräte nicht optimal eingestellt sind?
  5. Warum soll eine Erklärung besser sein, in der ein Moderator im Bild vor einer „schiefen“, kleinen Karte steht, statt dass die gleiche Animation aus dem Off kommentiert wird und man dafür etwas erkennen und lesen kann?
  6. Warum muss sich die Hintergrundeinblendung während der Anmoderation bewegen?

… und noch einiges mehr. Eine ganz entscheidende Frage: Was von all dem macht die Nachrichten „besser“?

Selbstverständlich ist es legitim, dass man sich mit moderner Technik ausstattet. Wenn dabei jedoch so wesentliche Details, wie z.B. verlustfreie Aufzeichnung der Produktion oder Lesbarkeit vergessen werden, muss sich das ZDF schon die Frage stellen lassen, ob die Zuständigen wirklich wussten, woran und wofür sie jahrelang entwickelten und was daran so viel gekostet hat. Offenbar wurde hier viel Geld für fragwürdige Spielereien ausgegeben, die dem Nutzen und Wert der Nachrichten im ZDF eher abträglich sind.

Besonders peinlich wird es, wenn es zum Thema neues Erscheinungsbild ein Forum beim ZDF gibt, dass aufgrund der überwiegend negativen Rückmeldungen von Gebührenzahlern kurzerhand geschlossen wird. Zwar wird von ZDF-Seite betont, dass es – natürlich – auch positive Resonanz gab, bleibt aber Belege dafür schuldig. Chefredakteur Brender teilt darüber hinaus mit, die Sperrung des Forums sei zeitlich befristet, weil man erst einmal die bisher geäußerten Kritikpunkte abarbeiten müsse und rühmt sich im gleichen Atemzug, man sei doch mit dem Forum als solches sehr offen mit Kritik umgegangen. Unermütlich vergleicht er die Neugestaltung der Berichterstattung mit einer Mondreise. Da drängt sich unweigerlich „Von der Erde zum Mond“ auf, das Buch von Jules Verne, das gern als Frühwerk des Science-Fiction Genre genannt wird. Was Science-Fiction allerdings mit brauchbarer Nachrichtenberichterstattung zu tun hat erläutert Herr Brender leider nicht. Landläufig werden Fans dieses Genres gerne mal als „weltfremde Träumer“ tituliert. Das haben diese Mitmenschen in den seltensten Fällen verdient, aber manchmal passt es schon … .

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