Der Inselkönig

12.09.2009

Der Pilawa ist da. Genauer gesagt: beim ZDF. Damit das ganz sicher jeder mitbekommt, der im Nachmittagsprogramm versehentlich reinzappt, wird davon in hoher Frequenz mit epischer Breite berichtet.

Dabei wird ein Thema gestreift, das im Ursprungsland des Futter- und Erfolgsneids heikel ist. Bei Pilawa und Co. ist man sich offensichtlich darüber klar, dass es sowieso herauskommt und dann hat man das besser selbst erzählt, als von weniger wohlwollenden Zeitgenossen erzählen lassen: Pilawa hat eine Insel. Da es davon nicht für jeden eine gibt, ist das was Besonderes. Weil die Angebotsknappheit gleichermaßen Einfluss auf den Preis hat, wäre es durchaus interessant, wie viele GEZ-finanzierte Ratesendungen so eine Insel kostet. Das erschien den Redakteuren jedoch augenscheinlich nicht berichtenswert. Immerhin lässt sich die Reportage als motivationsfördernd für Jugendliche und erziehungsunterstützend darstellen. Dafür muss Papa nicht aus dem Sofa hoch und kann mit der Flasche in der Hand auf den Bildschirm zeigend den dauertelefonierenden Sprösslingen vorhalten: «Schaut zu! Der kann fehlerfrei Fragen vom Blatt ablesen und ist immer nett zu Älteren. Damit hat der sich eine Insel verdient!»

Aber selbstverständlich wollen wir hier nicht in die Neid-Debatte eingreifen. Das überlassen wir gern anderen. Uns interessiert viel mehr, warum Herr Pilawa so ausschweifend über seine Insel berichtet. Denn im Bericht zeigt Pilawa sich von seiner menschlichen Seite. Dass er schon wisse, dass so eine Insel etwas Exklusives sei. Dass man da so toll abschalten könne. Dass dies der optimale Ort sei, den Stress des Alltags abzuschütteln.
Bis hierhin – o.k. – was soll er auch anderes sagen. «Ich wusste nicht, wohin mit dem Geld», oder «Bei einer Bankenkrise ist Grund und Boden eine sichere Anlageform», sind für den Boulevard-Journalismus etwas zu platt. Aber er ist ja noch nicht fertig. Denn jetzt kommt der sozial engagierte Pilawa raus. Weil er wisse, wie rar und wertvoll und toll und überhaupt das mit der Insel sei, habe er entschieden, diesen Traum mit anderen Menschen zu teilen. Der Berliner würde das fluffig leicht übersetzen in «Haste reichlich Piepen, kannste die Insel mieten».

Und da ist es dann nicht mehr „o.k.“. Denn für das, was da passiert, gibt es einen Begriff. „Schleichwerbung“. Zur besten Sendezeit, so eine lange Werbeshow, – bei den Privaten müsste das oben links als „Dauerwerbesendung“ markiert sein. Bei den öffentlich-rechtlichen ist das „objektive Berichterstattung“. Das muss es sein, denn alles andere wäre Gebührenmissbrauch. Oder hat in der neuen, hypermodernen Schnitttechnik der Bildtechniker lediglich den Knopf für die Einblendung nicht gefunden?

Was sollen wir davon halten, dass sich öffentlich-rechtliche Anstalten mit unserem GEZ-Geld gegenseitig die Moderatoren ausspannen? Diesen als Willkommensgeschenk Technik, Personal und reichlich Sendeplatz bieten, damit sie Werbung für nebenberufliche Zusatzeinkünfte, getarnt als Bericht, produzieren und senden können? Womöglich noch ein zusätzliches Honorar für diese „Homestory“ zahlen?

Dessen ungeachtet: Wir gönnen Pilawa seine Insel. Vielleicht gönnt er uns ja auch was, zieht hin und bleibt einfach dort.

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