Tatort-Ermittler gesucht

19.09.2009

Der HR ist in Not. Ihm laufen die Kommissare weg. Das entspricht zwar in etwa der politischen Realität, dass die Polizei trotz Stellenkürzung neben Kleinganoven Terroristen, Amokläufer und sonstiges Gesocks in Schach halten soll. Für eine Fernsehserie ist es allerdings ein Problem, wenn es keine Protagonisten gibt. Der Notstand hat den „Stern“ veranlasst, bei seinen Lesern eine Nachfolgersuche anzustoßen.

Was liegt da näher, als den Einsparmaßnahmen folgend nicht neue Kollegen einzustellen, sondern vorhandenes Personal zwangsweise zu versetzen? Das ist im Beamtengesetz möglich – warum nicht auch im Film. Zwei Personalien böten sich da an: „Helen Reinders“ (Camilla Renschke), die Tochter von „Inga Lürsen“, der Kommissarin aus Bremen. Die ist schon bei der Schutzpolizei, genervt, weil sie dort mit der Unterstellung des Jobmotors „Mamafaktor“ kämpft und mit „Stedefreund“ rumgemacht hat. Das eröffnet zwar dramaturgische Möglichkeiten in Bremen, aber ein One-Night-Stand muss ja nicht zwangsweise in einer Liebesbeziehung enden. Außerdem sind die z.T. doch etwas konstruiert wirkenden Verwebungen von „Helen“ in Fällen der Mutter langsam ausgereizt. Damit „Helen“ nicht allein in der Fremde ist, bekommt sie einen Jungkommisar vom Bodensee an die Seite: den von der Chefin gern unterschätzte und unterforderte „Kai Perlmann“ (Sebastian Bezzel).

Für beide wäre es eine Entwicklung, als „Jungkommissare“ in FFM ihre Karriere voranzutreiben. Altersmäßig wäre dramaturgisch eine „Knistersache“ ala Borowski/Jung bei den Norddeutschen möglich. Eventuell könnte man daraus ein Liebespaar machen, dass die Fälle gemeinsam löst, statt immer nur Paare, die keine sind. Delwo/Sänger wohnten zwar zusammen in einem Haus, aber da lief nix. Bei Borowski/Jung wird es wohl bis auf weiteres wie bei Superman und Lois Lane sein* - die durften sich nicht kriegen, denn dann wäre die Luft raus gewesen. Vielleicht auch, weil sich kein Autor vorstellen wollte, wie eine „menschliche“ Frau aussieht, nachdem ein „Übermensch“ wie Superman mit ihr sein unkontrolliertes „erstes Mal“ hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was unsere Neukommissare betrifft, könnten sich daraus Querverweise bei Ermittlungen ergeben, die das Zusammenarbeiten von Dienststellen auch auf persönlicher Ebene interessant gestalten. Wenn z.B. die Mutter die Tochter besucht bzw. vice versa, oder der „Jungsche“ bei „der Alten“ Amtshilfe erbittet. Eventuell lassen sich auf diese Weise gleich Produktionskosten senken, wenn – wie z.B. bei „Herr der Ringe“ – mehrere Folgen gleichzeitig abgedreht werden können oder ein Drehbuch für zwei „Tatorte“ Stoff liefert. Jetzt, wo die geschäftstüchtige Frau Heinze alias Maria Funder Persona non grata ist, könnte sich da womöglich ein Versorgungsengpass ergeben.

Was für die Tatort-Reihe tatsächlich neu wäre: Da fallen nicht unvermittelt Charaktere vom Himmel oder sind einfach nicht mehr da, sondern der „Tatort-Kucker“ kann eine Entwicklung von Personen über die Zeit (und Rundfunkanstaltsgrenzen) erleben. Diese beiden haben eine dokumentierte Entwicklungsgeschichte, ziehen für Ihre Karriere in der Republik um, das hat etwas von Lebensnähe. Wem die Vorgeschichte fehlt, der muss halt die reichlich angebotenen Wiederholungen der „Tatort“-Folgen konsequenter ansehen, was den öffentlich-rechtlichen Sendern ebenfalls nur recht sein kann.

In jedem Fall wäre es besser, als „Stars“ in Rollen zu installieren, die schlicht nicht für diese Aufgabe gemacht sind. So müsste der HR wissen, dass Herrn Waltz schon als „Inspektor Passini“ im Tatort „Wunschlos tot“ einen farblosen Auftritt hatte. Wie man erklärt hätte, dass der zum zweiten Mal auf Kommissar macht, statt als erfolgreicher Herrenausstatter die Wiener Gesellschaft einzukleiden – wir werden es nie erfahren.

Alternativ könnte man natürlich noch Michelle Hunziker als „schlaues Blondchen“ engagieren, als Revanche für den ausgespannten Pilava. Bedingung: Gottschalk muss „Wetten dass …?“ wieder allein machen. Wobei sich der HR da womöglich die nächste Klatsche (s. Waltz) abholen könnte. Aber diesbezüglich sind die Öffentlich-Rechtlichen mittlerweile offenbar recht schmerzfrei. Da dringen gerade Dinge nach außen, die einiges erklären und den Gebührenzahler am bestimmungsgemäßen Umgang mit seinen Gebühren zweifeln lassen.

Sollte der Stern mit seiner Suche erfolgreich sein, wäre das für die Zuschauer womöglich ein Segen, der HR müsste sich jedoch im Gegenzug fragen lassen, wofür manche gut dotierte Stelle im Haus Geld bezieht.

* Korrektur: Die Drehbuchautoren haben mit Borowski und Jung anderes im Sinn: Die durften just in der Folge am Sonntag (20.09.2009, Borowski und die Sterne) intensiv Körperflüssigkeiten austauschen und gemeinsam einen Fall lösen.

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