Porno-Verbot im Internet
10.10.2009
So bedauerlich das ist, aber die Menschheit entwickelt sich in weiten Teilen weiter, weil sie ihre niederen Instinkte befriedigen will. Die Atomspaltung wurde zuerst dafür verwendet, dem Gegner eine ordentliche Klatsche zu verpassen. Heute dient sie noch immer als gern gezücktes Argument des Schreckens. Die zivile Nutzung ist ebenfalls kaum erfreulicher, weil zwar einige vermeintlich „sauberen“ Strom damit erzeugen, aber wo der Restmüll hin soll, interessiert die Betreiber nicht wirklich, die Kasse stimmt, das ist die Hauptsache.
Das Radio erlebte einen dramatischen Schub in der Entwicklung, als es darum ging, die Massen für Kriege zu mobilisieren, der Mensch wäre womöglich noch nicht auf dem Mond gelandet, hätte Hitler nicht mit der V2 London bombardiert.
Haben Sie sich schon einmal gefragt, wo die Videotechnik und das Internet heute wären, gäbe es keine Pornos?
Die Gier nach gestochen scharfem Fleisch hat die technischen Anforderungen an Geräte und insbesondere an das Medium Internet beflügelt. Für die „Tagesschau“ jedenfalls hätte sich wohl kaum ein Nerd wochen- oder monatelang verkrochen und knackige Kompressionsformate zum streamen beweglicher Bilder entwickelt. Für rhythmisch schwingende Brüste, im Takt angeschubst vom Taktstock eines mehr oder minder muskulösen Mannes, der hin und wieder „Yeah Baby, das ist gut, Baby“ sagt, schon. Daheim konsumiert sich das viel entspannter als in dunklen Gassen, in denen Nachbarn sich nicht grüßen, einfach, weil es peinlich ist.
Jetzt, nachdem die Pionierarbeit von den Schmuddelwerkern erledigt ist, kommen die Saubermänner. Einer davon heißt Norbert Schneider und er hat Angst vor der Bedeutungslosigkeit. Sei Job ist nämlich „Regulieren“. Nicht den Wasserstrahl bei der Feuerwehr oder die Zimmertemperatur in einer Schule, nein, Herr Schneider reguliert das Recht, als Rundfunkanstalt Sinn oder Unsinn in die Welt hinauszublasen. Und diese Macht sieht er gefährdet, weil im Internet ja jeder alles kann. Deshalb will er, dass die Landesanstalt für Medien NRW nicht nur für den Rundfunk, sondern gleich für alle Medien zuständig ist.
Damit man ihm zuhört, hat er sich den Trick von Ursula abgeschaut: Kinderporno hat sich Ursel schon als Brett vor den Kopf genagelt, also bleiben Norbert „die andern“. So kommt man in die Zeitung. Denn es geht ja wohl nicht an, dass Dinge einfach selbstregulierend sind, nein, in Deutschland muss alles einen Stempel kriegen, da dürfen nur staatlich geprüfte und überwachte Möpse wippen. Denn wenn im Internet jeder alles kann, dann brauche ich auch keine Lizenz mehr bei Norbert beantragen, das ist die nackte, … - nein, das ist hier unpassend, … - die panische Existenzangst, die bei Norbert Herzpochen auslöst.
„Es braucht im Internet auf Dauer ein vollziehbares Verbot von Pornografie und von Kinderpornografie sowieso“, lässt er über Heise.de verlauten. Aber eigentlich hat er ein anderes Problem: Seine Lizenzen werden wert- und er damit bedeutungslos, wenn ich eh alles im Internet kann und darf. So wird der Begriff „Freiheit“ mit „Verantwortung“ kombiniert, und was verantwortlicher Umgang mit dem Medium Internet betrifft, bedarf natürlich einer Normung, am besten global, aber nach seinen Vorstellungen. Damit bestimmt nichts durchschlüpft, … -rutscht, … nein: unkontrolliert bleibt, sollen alle „multimedialen Angebote“ mit einer Reichweite von mehr als 500 potentiellen Nutzern nach des Schneiderleins Vorstellungen Rundfunk, also lizenzpflichtig. Bei ihm.
Und wer nicht spurt, kommt auf die Kinderporno-Liste. Ist zwar kein Kinderporno, aber das sieht ja dann keiner mehr. Und weil Zensur irgendwie negativ klingt und außerdem im Grundgesetz verboten wurde, nennt sich dass dann „Regulierung“.
