Grundversorgung? (Teil I)
20.10.2009
Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (ÖRRA) sind zwar nicht im Auftrag des Herrn unterwegs, aber mit Ihren Methoden folgen sie frühchristlichen Mustern eines Kreuzzuges. Der Traum von der 100%-tigen Ablasszahlungspflicht eines jeden Bürgers wird mit der Annektierung des Internets als „Rundfunk-Transportoption" für die ÖRRA-Oberen täglich greifbarer.
Das Credo lautet «Grundversorgung» und «Versorgungsauftrag». Dieses Glaubensbekenntnis wird mit unerbittlicher Härte und Aggressivität über das Land getragen. Die in frühchristlichen Glaubensstreitigkeiten gern praktizierte Zwangstaufe mit anschließender Himmelsverschickung ist weltlichen Überlegungen gewichen: Nur ein versklavter Bundesbürger kann grundversorgt werden. Versuchsweise Gebührenforderungen an Tote konnten die ÖRRA - trotz regelmäßiger Versuche - bisher nicht dauerhaft durchsetzen.
Das Internet ist für die ÖRRA ein wahrlich paradiesisches Geschenk. Denn hier transzendiert zählbare Gebührenpflicht auf der Grundlage real existierender Rundfunkgeräte in die Hypothese einer öffentlich-rechtlichen Selbstbeglückung der Internetnutzer mit vage definierten Geräten (Neusprech: „neuartiger Rundfunkempfänger"). Im bisher verwendeten Bild ist das mit einer generellen Kirchensteuer vergleichbar. Denn Gott ist - mittlerweile - im christlichen Verständnis gütig. Fraglos werden daher selbst Atheisten gleichermaßen in die Glückseligkeit einfahren, womit eine zwangsweise Beteiligung an den irdischen Propagandamaßnahmen absolut gerecht wäre.
Bei genauerer Betrachtung fehlt den ÖRRA in der Argumentationskette noch das zwingend finale Element. Während der Atheist aus christlicher Sicht gegen seinen gottlosen Glauben keine ewige Ruhe finden, sondern nach seinem weltlichen Ableben ohne Unterlass Hosianna trällern, oder wenigstens Kohlen schippen wird, müsste demzufolge jeder Internetzugang eine Pilgerpforte zur öffentlich-rechtlichen Glückseligkeit sein. Mit dem „klassischen" Rundfunk verfügen die ÖRRA über ein kostenloses und extrem weitreichendes Werbemedium, mit dem das ÖRRA-Paradies in jeder Sendung mindestens ein Mal gepriesen (Neusprech: gehiped) wird. Die Pfade müssten den Offenbahrungsschriften der ÖRRA zufolge (Neusprech: Onlinestudien) breit und mit Stauneigung in Richtung einziger Wahrheit (Selbstdefinition der ÖRRA) befahren sein.
Wir haben „den Thomas gemacht" (erst sehen, dann glauben) und sind in den Hades der ÖRRA-Traumwelten gestiegen, um Licht in das Dunkel zu bringen. Was wir fanden, hat uns überrascht. Weil es den Rahmen eines Artikels sprengen würde, präsentieren wir unsere erstaunlichen Resultate hier in wenigen Tagen. Bis dahin.

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