Grundversorgung (Teil III)

05.11.2009

Die Ministerpräsidenten haben entschieden. Dass sie sich erst mal nicht entscheiden, sondern verschieben. Es könnte ja sonst der Eindruck von Hast entstehen, wenn man sich dem schon seit Jahren schwelenden Problem des Gebühreneinzugs auf Gerätebasis widmen würde. Also dem Thema, zu dem wir einfachen Bürgern eine direkte Beziehung haben – spüren wir die „Rundfunksteuer“ doch monatlich im Geldbeutel.

Da eiern die Herrschaften munter herum, wie man denn nun das Problem lösen könnte, einerseits wirklich alle Geräte ohne Schlupfloch zu greifen, aber es den Bürgern als "gerechteres Modell" zu verkaufen. Und gleichzeitig die unverschämt hohen Einnahmen der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu zementieren. Denn offenbar dreht sich die Diskussion nicht – wie man erwarten sollte – um die sachliche Prüfung, wann eine „Grundversorgung“ gesichert ist und was „Grundversorgung“ überhaupt ist. Sondern lediglich darum, wie die gleiche oder besser gleich mehr Kohle mit einem anderen Modell, vorzugsweise einfacher, verdient werden kann. Die Frage, ob es so viel überhaupt sein muss, wofür die immensen Summen ausgegeben werden, etc. – das wäre ja Ketzerei.

Dafür konnte man sich darauf einigen, ein totes Pferd zu striegeln und hat den Anstalten weitere Frequenzen für das Digitalradio zugewiesen. Also für das, bei dem die KEF eigentlich schon 2008 den Totenschein unterschrieben hat. Für den Totentanz werden mal eben ein Drittel der verfügbaren Kapazitäten spendiert.

Immerhin hat sich die Runde beim Thema „Product-Placement“ zu einem Statement aufgerafft. Das geht – typisch deutsch – mal wieder deutlich über das hinaus, was die EU gefordert hat. Aber wir Deutsche mögen es halt gerne gründlich. Mal sehen, ob man Tommy Gottschalk dann zwischen den vielen Hinweisschildern sehen kann, wenn er „Wetten, dass … ?“ moderiert.

Aber so schlimm wird es wohl nicht. Denn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist Produktplacement zukünftig nur in „angekauften“ Formaten erlaubt. Also überall, denn ARD und ZDF produzieren – außer den Nachrichten und ein paar Boulevard-Magazinen (mit zugekauften Einspielern) – praktisch nichts mehr selbst, sondern „lassen produzieren“. Dass die Firmen üblicherweise 100%-Töchter der Anstalten sind, spielt dabei keine Rolle: Zugekauft ist zugekauft. Das wird die bunten Gelatinebärchen freuen. Bei „uns Tommy“ ist die Sachlage darüber hinaus glasklar: Er hat dem ZDF die Rechte am Titel und die Produktion für ein Taschengeld abgekauft und seine Investition mit einem millionenschweren Rechteverkauf nach China umgehend refinanziert.

Von uns RFGZ´lern ist keiner hart genug, sich die aktuellen Versionen der Tommy-Sabber-Show anzutun. Aber in der Erinnerung an die letzten „Teilsichtungen“ verschmilzt „Wetten, dass … ?“ verhältnismäßig nahtlos mit Formaten der Privaten wie z.B. „Der Preis ist heiß“ oder „Geh auf´s Ganze“. Die Webseite bestätigt nachhaltig diese Erinnerung. Kein Gast, der nicht irgendetwas, dass er gerade versilbern will, hingebungsvoll per Einspieler bewerben darf, während teure Karossen die Zuschauer zum Anruf für den „ich erkenne meine Kumpels an der Beule in der Hose“-Wettkandidaten motivieren sollen. Und anschließend trällert jemand was, dass ab Montag in den Läden steht (oder sofort bei I-Tunes).

Womöglich ist dass ja das Problem der Anstalten: Wer nicht mit Geld umgehen kann, für den wird es ab dem 20. im Monat immer knapp. Die etwas Schlaueren schwätzen den öffentlich-rechtlichen das Tafelsilber ab und schieben ordentlich Geld nach Hause. Statt auf Kreativität setzt der staatliche Bezahlrundfunk auf Senilität und Kopien, hart auf der Naht zum Plagiat. Warum die Beklauten das mit viel weniger Kohle „besser“ hinbekommen, fragt dort niemand. Wobei aus Mist kein Gold wird, wenn man ihn rumdreht.

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