Das blutige Geschäft

14.11.2009

Wer bisher dachte, bei den Rundfunkanstalten arbeiten nur Sesselpupser, der wird von den aktuellen Meldungen aus den inneren Zirkeln der Rundfunkmacht eines besseren belehrt. Wer dort tätig sein möchte, muss im wahrsten Sinne des Wortes dafür bluten.

Angeblich erfahren die Sender – mittlerweile wurden SWR, MDR und NDR bei dieser Praxis ertappt – ob gegen eine Einstellung des Bewerbers aus „medizinischer Sicht Bedenken bestünden“. Offenbar besinnt man sich auf die erfolgreiche Selektionsmethodik, die den Deutschen zwar nach dem zweiten Weltkrieg ein dickes Stigma auf die Stirn brannte, aber zumindest den Ausübenden das Gefühl von Rassenreinheit und Stärke verlieh. Wer will schon angeschwängerte Sekretärinnen, Aids- oder sonstwie Kranke im Team. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten (ÖRRA) sind Gewinner, da dürfen nur die Harten in den Garten.

Was aus den Zeitungsberichten nicht hervorgeht: Wer wird denn alles getestet? Gilt das nur für die, die Arbeiten müssen, oder wird da ohne Ausnahme jeder zum Aderlass aufgefordert und auf „gesundheitliche Eignung“ überprüft? Werden beispielsweise Intendanten auf reine Geldgeilheit und Eigenexistenzsicherung hin getestet? Oder auf Größenwahn? Hier gilt gleichermaßen beim Rückblick in unsere noch nicht 100 Jahre alte Geschichte, dass speziell der letzte Test die Menschheit vor großem Leid und Elend geschützt hätte.

Der NDR verteidigt seine Blutsammlung damit, dass beispielsweise Kameraleute gut sehen und Tontechniker gut hören müssten. Warum statt einer aufwendigen Blutuntersuchung dafür nicht einfach mal ein Hör- oder Sehtest ausreicht, bleibt der Sender in seinen Ausführungen schuldig. Sehr interessant ist die Auslassung, es werde auch geprüft, ob der Kandidat die vorgesehene Wochenarbeitszeit leisten könne. Das klingt ein wenig nach Bahnhofsrampe: Die Gesunden arbeiten, die anderen sind „Ausschuß“. Oder wollen wir ernsthaft glauben, dass die Anstalten Informationen über Bewerber nicht austauschen? Wem Persönlichkeitsrechte und Datenschutz egal ist, der hat sicherlich keine Probleme damit, „rundfunkinterne“ Informationen ans vereinsinterne schwarze Brett zu hängen. Dient ja dem Allgemeinwohl der ÖRRA, wenn ein einmal enttarnter Schwächling oder eine vermehrungsfreudige Kandidatin bundesweit keinen Job findet.

Denn fraglos liegt es an uns Bürgern, die erwarten, dass für die Rundfunkgebühren nur die Besten und Stärksten und Leistungswilligsten arbeiten. Es wäre halt schön, wenn das gleichermaßen für die Führungsetagen der Anstalten gölte. Denn bei einigen der dort herumgeisternden Gestalten bedarf es außer etwas Menschenkenntnis keinen Bluttest: geistige Inzucht kann man nicht im Blut nachweisen, sehr wohl aber am Verhalten und den Äußerungen der davon Betroffenen erkennen. Da wo wirklich frisches Blut dringend gebraucht würde, findet der Aderlass jedoch offenbar nicht statt.

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