Weiter so??
26.11.2009
Kurt Beck, der staatsferne Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, hält an der GEZ fest. Denn die würde die Abgrenzung zwischen Staat und Rundfunk signalisieren. Sagt der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und schwadroniert über den Rundfunk und wie er finanziert werden soll.
Die Prämisse dabei ist: Die Einnahmen des Rundfunks müssen gesichert werden. Es muss also ein Modell her, bei dem es für den Bürger kein Entkommen gibt. Beck spricht von „Beweislastumkehr“ und meint damit, dass man beweisen soll, dass man etwas nicht hat – nur dann muss man keine Gebühren zahlen. Somit steht der Bürger vor dem klassischen Gottesdilemma: Solang die GEZ „glaubt“, dass man einen Rundfunkempfänger besitzt, muss man zahlen. Denn sie muss ja nicht beweisen, dass der Bürger einen Gott, … äh – Fernseher hat. Der muss beweisen, dass er keinen hat. Vermutlich täglich, denn man kann ja jederzeit in einen Laden gehen und sich einen kaufen. Das wird wohl selbst hartgesottene mürbe machen. Wobei unklar ist, worin Beck da eine Neuerung sieht: Das ist doch faktisch schon so, nur dass einen die GEZ noch mit Briefen nervt und trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht akzeptiert, dass man womöglich einen rundfunklosen Haushalt hat. Es geht demnach nur um das Einsparen der Portogebühren und einer massiveren Erschwernis für den Bürger, sich der Zwangsgebühr zu entziehen.
Allerdings ist das bei diesem Modell de facto keine Gebühr mehr. Die darf nämlich nur für eine erbrachte Leistung erhoben werden. Einfach Geld nehmen darf nur der Staat, das nennt man Steuer. Wenn eine „staatsferne“ Einrichtung auf der Grundlage ihres Glaubens, jeder Bürger besäße einen Rundfunkempfänger, pauschal einen Geldanspruch zuerteilt bekommt, stünde das im Widerspruch zu vergleichbaren Situationen: selbst die Kirchen werden über Steuern finanziert, bei denen der Bürger aussteigen kann, ohne den Nachweis der Nichtexistenz Gottes erbringen zu müssen. Zwar lassen die Kirchen einen Klingelbeutel bei den Messen kreisen, aber auch hier gilt für die Teilnehmer das Prinzip der Freiwilligkeit. Um es in einem biblischen Bild zu zeichnen: In den Kirchen darf man den Kelch an sich vorbeigehen lassen, bei der GEZ muss man saufen, ob man will oder nicht.
Den Kirchen wird darüber hinaus keine Möglichkeit gegeben, den Einnahmeschwund durch Kirchenaustritte oder Krisen durch Neuordnung des Steuermodells aufzufangen. Da müssen halt kleinere Hostien gebacken werden. Beim staatsfernen Staatsfernsehen ist das etwas anderes: Wohin kämen wir denn, wenn man sich der allgemeinen Situation anpassen und ebenfalls mit dem auskommen müsste, was es bei gleichen Regeln für alle schlicht weniger in den Topf gibt.
Beck spricht von einer abnehmenden Akzeptanz für die Gebühr. Er hinterfragt nicht, warum das so ist. Die Bürger sind schon bereit, für ein Angebot Geld in die Hand zu nehmen. Sie wollen dafür allerdings – was durchaus angemessen ist – einen Gegenwert. Der Akzeptanz-Mangel geht von denen aus, für die das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem kein echte, geschweige denn alternative Offerte darstellt. Also rund 22 Stunden am Tag alle ab ca. 8 bis ca. 60 Jahre. Es darf stark bezweifelt werden, dass die Zahlungsbereitschaft wächst, weil die Kosten für etwas, dass den Zahler inhaltlich nicht erreicht, unausweichlicher werden. Vielmehr dürfte das zu einem „beschleunigten Akzeptanzverlust“ führen.
Sehr geehrter Herr Beck:
Vielleicht sollten Sie sich mal mit denen unterhalten, für die das Angebot eigentlich sein soll. Den Bürgern. Und nicht nur denen zuhören, die einzig um die Kohle bangen, die ihnen so einfach zufließt. Aber die Rundfunkgebühr ist kein Harz IV für konzept- und ideenlose Medienfunktionäre, sondern soll eine Absicherung von innovativen Ideen, alternativen Angeboten und Konzepten sein. An diesen Maßstäben gemessen wäre es eher an der Zeit, über eine sofortige Abschaffung der Gebühren nachzudenken, wegen systematischer Verfehlung des Auftrags. Das was dem Auftrag entspricht, ließe sich problemlos in einen Sender zusammenstreichen und der wäre allein mit dem befürchteten Verlust von 1 Milliarde bestens finanziert.

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