ZDF schmerzfrei

08.12.2009

Das Flaggschiff der ZDF Fernsehunterhaltung „Wetten...?“ Mit Thomas Gottschalk hatte am letzten Sonntag illustre Gäste. Wolfgang und Anneliese gaben sich die Ehre.

Offensichtlich hatte bei den Verantwortlichen niemand im Vorfeld geklärt, was die beiden vor großem Publikum und laufenden, öffentlich-rechtlichen Kameras zum Besten geben wollen. Sowohl der Gastgeber Gottschalk als auch die Gäste im Studio machten sich offenkundig nicht die Mühe, dem Text etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Ein sträfliches Versäumnis. Denn so merkte es niemand im Saal, dass er gerade wohlig schunkelnd bis an die Schmerzgrenze – Entschuldigung – verarscht wurde.

Darüber hinaus war augenscheinlich keinem der Verantwortlichen klar, dass man mit diesen Leistungs­trägern des Privat­fernseh­ens zwar vorzüg­liche Stimmungs­kanonen eingeladen hat, aber der schunkelnde Saal und das Publikum vor dem Fernsehern möglicher­weise auf den Geschmack kommt. Also lieber Wolfgang oder Anneliese schaut, als die „vorgeführten” Originale aus dem ZDF.

Auffällig ist, dass es sich bei diesem Auftritt offenbar um eines der sehr wenigen Highlights dieser Sendung handelte. Darüber hinaus findet sich lediglich eine (von den ein­geschla­fenen Kamera­männern verpennte) Kuss­szene für die verlorene Wette von Wolfgang und Anneliese (schon wieder...) bei YouTube – vermutlich die einzige tatsächlich überraschende Szene des Abends. Wenn man sich vor Augen führt, mit welchen Summen das öffentlich-rechtliche Fernsehen operiert, ist es erschütternd, wie wenig dafür aus den eigenen Reihen kommt. Spätestens nach dem sedierenden Jahres­rückblick von Gottschalk dürfte auch dem Letzten klar sein, dass man beim ZDF versäumt hat Nachwuchs aufzubauen.

So erfrischend eine immer quirlige Michelle Hunziker ist, so chancenlos ist sie gegen einen zwar ehrenvollen, aber aus der Zeit gefallenen Moderator. Der lässt seine sprachlichen und intellektuellen Fähigkeiten leider nur noch bei Presse­konferenzen aufblitzen. Vielleicht sollte sich das ZDF darauf verlegen, die Presse­termine mit Gottschalk statt „Wetten dass...?“ zu übertragen. Bei signifikant geringeren Produktions­kosten bekämen wir für unser Geld wahrscheinlich deutlich mehr Unterhaltung. Denn Gottschalk ist – ohne den Druck eines Szenen­ablauf­plans – noch immer ein amüsanter Geschichten­erzähler. Wer braucht da schon diese störenden Unterbrechungen durch Wetten, Weltstars und Ereignisse des Jahres.

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