Viel Geld für kein Ziel

28.01.2010

Im aktuellen KEF-Bericht zu den Rundfunkgebühren werden die Rund­funk­anstalten – mal wieder – mit Wattebällchen beworfen. Ein bisschen sparen sollen sie doch bitte. Und „noch reicht es“.

Allerdings seien die schrumpfende Bevölkerung und die steigenden Befreiungs­zahlen ein Problem. Da müsse man was ändern, den Menschen näher bringen, dass sie zu zahlen hätten. So müssten sie doch bitte 2,35 Milliarden EUR für Pensionen aufbringen (=31% der jährlichen Gebühreneinnahmen!). Dagegen sind die 610 Millionen für das Internet, „die Zukunft des Fernsehens“, wie es von den Rundfunkoberen immer betont wird, vergleichsweise bescheiden. Das entspricht dem Fernsehprogramm: Kümmere dich um die Ergrauten, die Zukunft kommt von allein. Dazu addieren sich zwar noch etwas über 3 Millionen für «Sportschau.de» und «boerse.ard.de», aber die gleichen die Bilanz zwischen Auftrag und Selbstversorgung noch nicht so recht aus.

Warum werden überhaupt von den Rundfunkanstalten Pensionen bezahlt? Wenn der öffentlich-rechtlicher Rundfunk dem Rentensystem der Republik nicht traut, warum wird der Bürger darauf zwangsverpflichtet?

Nun ja – zurück zum Thema. Da wären dann noch 32 Millionen für «Mobile-Broadcast-Projekte», nennen wir es kurz «iPod-TV». Technik-Spielereien, die nur für eine kleine, solvente Gruppe interessant sind. Aber weil es so wenige sind, müssen sie nichts extra zahlen, wohl auch, weil die Verbindungskosten so teuer sind und sonst gar keiner das Angebot nutzen würde. Dagegen stehen rund 1 Millionen Euro für die neuen Kinderkanäle (Kinder=Zukunft) in der Finanzstrategie der Anstalten, die sich in einen Satz zusammen fassen lässt: «Zahlst du weniger für morgen, hast du heute keine Sorgen».

Die 30 Millionen für digitalen Rundfunk könnten die Anstalten gleich verbrennen. Bei den aktuellen Temperaturen wären sie damit zu etwas nütze. Allerdings würde es das Bild verzerren, denn von der Aussage her ist es eine Zukunfsinvestition, wenn sie brennen, wärmt es heute. Geht also nicht. Das Geld wird weiter in eine – zumindest in Deutschland – gescheiterte und tote Technologie gepumpt (siehe dazu Weil er´s kann!).

Ganz wundersam werden die Zahlen, sobald man sich die „Minutenpreise“ einiger Sendungen ansieht. Das Magazin «fakt» mit produzierten (oder zugekauften) Einspielern kostet 3284 EUR pro Minute. «Anne Will», bei der mehr oder minder Unwichtige im Kreis sitzen und auf Wichtig machen, kostet gerade einmal 120 EUR weniger in der Minute. Wo bitte, geht da die Kohle hin? Bei «Hart aber Fair» gibt es ein bisschen Filmchen aber dafür müssen die Leute stehen. Das Einsparen der Stühle drückt den Minutenpreis immerhin auf 2908 EUR. Wenn «Beckmann» sich an den Tisch setzt, kostet uns das 2225 EUR die Minute, selbst «Kerner» saugte 2002 EUR pro Minute. Das hat Sat1 vermutlich nicht gewusst …

Die ZDF-Politlabertasche «Maybrit Illner» macht im Grunde nichts anderes als «Anne Will», schafft das jedoch fast zum halben Preis (1893 EUR/Min.), wobei «Menschen bei Maischberger» trotz gerade 1552 EUR/Min. noch das Kleingeld für Second-Hand Gäste-Sofas hat. Lassen wir uns das mal auf der Zuge zergehen:

60 Minuten Maischberger kosten 93.120 EUR, 60 Minuten Anne Will dagegen 197.040 EUR.

Wobei Letztere vor Publikum auftritt – ob das Eintritt kostet und der genannte Betrag ggf. „einnahmenbereinigt“ ermittelt wurde, ist uns nicht bekannt. In beiden Fällen ist das Ergebnis nur lauwarmes Geplaudere. Würden die Runden Rommé spielen, hätte es auf die Welt- oder Bundespolitik die gleiche – sprich keine – Wirkung. Allerdings würden die Zuschauer sehen, welche Gäste (bzw. Moderatoren) den Überblick haben und Dinge ordnen können. Es gäbe – ganz im Gegensatz zu leeren Worthülsen – immerhin ein unanfechtbares Spielergebnis. Und es würde dramatisch die Kosten senken. Denn zumindest Politiker kämen dann wohl keine mehr: Die wollen sich weder in die Karten schauen lassen, noch mit ihren Entscheidungen festlegen und am Ende ein handfestes Ergebnis – Gott bewahre!

Zahlenquelle: Das machen ARD und ZDF mit dem Gebührengeld

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Kommentar von Jan Lammers | 04.02.2010

Mir war nicht bewusst, wieviel Geld einer dieser liberal-langweiligen Laberzirkel wirklich verschlingt. Dedacht hat man das ja schon immer.
Da denke ich mir doch, es wäre möglicherweise sinnvoller diese Sendungen irgendwo ins Internet zu stellen, wo interessierte diese dann bei bedarf herunterladen können. Natürlich gegen eine völlig überzogene Gebühr versteht sich und man nutzt den so entstandenen Sendeplatz für interessantere vieleich etwas gesellschaftskritischere Beiträge. Wenn ich hin und wieder auf der "tube" unterwegs bin, finden sich häufig Beiträge, die um ein vielfaches Interessanter und besser gemacht sind, als das was man gemeinhin im Ersten oder Zeiten geboten bekommt. Und die Tatsache das eine Privatperson eine solche Sendung genauso oder sogar besser produziert, wirft die Frage auf, ob wir den ganzen geldfressenden Apparat der hinter Will und Co steht überhaupt benötigen bzw bezahlen müssen. Die Herren Programmdirktoren sind doch ohne hin nur dazu gedacht, um Kritische und unliebsame Themen von uns fern zu halten. Damit der Politiker in Berlin keinen Herzinfarkt bekommt, wenn ein "völlig verrückter" Journalist an seinen, über Jahrzente hinweg verkrusteten, "Moralvorstellungen" kratz.

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