Grau und hohl - Die Macht der Details

07.02.2010

Die Kreativität außerhalb des gebühren­finanzierten Rund­funks unter Nutzung der gebühren­erbringe­nden Netz­werke ist unerschöpflich. Und zeigt, wie naiv und obrigkeits­gläubig offenbar so mancher Bundes­bürger ist. Bei Benutzung des Verstandes sollte die Einschaltung der Polizei überflüssig sein, denn dann würde der­gleichen als Lach­nummer verpuffen.

Davon unbelassen hat die Idee etwas charmantes: Man erstellt ein „echtes GEZ-Anschreiben“ und verschickt es ins Schwaben­land, da, wo die Empfänger sich wegen etwas über 100 EUR mutmaßlich nicht mit einer vermeint­lichen Behörde herum streiten, sondern staats­bürger­pflichtig einfach zahlen. Als Druck­mittel wird eine wirklich infame Maß­nahme angedroht: Wer nicht zahlt, bekommt seinen Farb­fernseher gegen ein Schwarz-Weiß-Gerät zwangs­um­ge­tauscht.

Möglicher­weise hat genau das den Täter – dessen materielle Erfolgs­quote uns nicht bekannt ist – verraten. Denn mittler­weile wissen mut­maß­lich selbst Neu­geborene, dass die GEZ grund­sätzlich nur droht und wenn sie nicht ernst genommen wird, ihre frucht­losen Droh­gebärden an die zuständige Landes­anstalt abgibt. Denn nur die kann juristisch irgend­etwas ausrichten. Die GEZ als solches ist ein zahnloser Tiger, der lediglich eine nervende Droh­kulisse errichten soll, für die nicht die eigent­lichen Hinter­männer, nämlich die keuschen und immer bürger­nahen Rund­funk­anstalten, ins Rampen­licht treten möchten. Wer würde denn freiwillig ein Fernseh­programm ansehen, für das er vom Sender mit Zwangs­maßnahmen bedroht wird? Das ist psychologisch fraglos clever zurecht gelegt.

Das Umtauschen von bunt gegen schwarz-weiß, würde bedeuten, dass man einen „Teil­verstoß“ dulden würde. Denn man könnte ja weiterhin fernsehen. Da weiß der aufmerksame Bürger sofort: Niemals! Schon gar nicht bei der GEZ, die in ihren Werbe­spots Schwarz­seher (was sie mit diesen Geräten zumindest noch verstärkter wären...) gern mit Schwer­kriminellen auf eine Stufe stellt. Dass man mit der Verschleppung von Anfragen der Rund­funk­teilnehmer, der fehlerhaften, falschen oder ignoranten Beant­wortung von Schreiben, sowie penetrantem Ignorieren von Rück­meldungen der Bürger definitiv als Minimal­einsatz einen Knigge-Kurs besuchen sollte, wird dabei geflissentlich übersehen.

Andererseits: Wäre es wirklich schlimm? Farb­loses Fernsehen mit farb­losen Bildern betrachten wäre womöglich nichts anderes als „artgerechte Haltung“. Wenn die «Kastraten-Spatzeln» beim «Willkommen im Nebel» in grau schrammeln würden, wäre das einerseits der Situation angemessen und bekäme anderer­seits sogar fast eine künstler­ische Aussage. So mancher Alt-68 würde daraus interaktives Erlebnis-Fernsehen machen und sich die Bilder kurzer­hand mit ein wenig Eigen­initiative bunt rauchen. Im Resultat womöglich unterhaltsamer als das, womit man uns Gebühren­zahler mit unserem Geld vorzugs­weise am Samstag quält.

Ob die Polizei den fantasie­vollen Spaßmacher erwischt hat, wissen wir nicht. Allerdings stellt sich die Frage, worin seine Straftat bestehen könnte. Denn da die GEZ von sich selbst immer wieder betont, sie sei keine juristische Person, ist das „Erwecken des Anscheins“ man sei die GEZ, streng betrachtet doch wohl folgenlos: Aus zweimal Nichts wird wieder nichts. Wobei es ganz so einfach nicht ist, denn mit einer Umsatz­steuer-Ident­ifikations­nummer ist man üblicher­weise klagefähig und verklagbar. Bis auf die GEZ halt (warum auch immer). Leider weist die GEZ in der Anbieter­kennung nicht aus, wer der Rechte­inhaber des Logos ist. Mut­maßlich gehört das nämlich einer Landes­anstalt. Und die wird mit der gewohnten, überzogenen Härte, in gewohnter Arroganz und Verschwiegenheit, dagegen vorgehen.

Neues Logo der GEZDer GEZ versucht man derweil ein freund­lich­er­es Image mit einem, vermut­lich von einer Werbe­agentur gefüt­ter­ten, Forum zu verpassen. Zusätzlich muss man sich ab sofort von dem gewohnten „hohlen Buchstaben“ verabschieden und auf „Gefüllte, Einfache Zeichen- Punkt“ einlassen. Falls der Spaßvogel das alte Logo verwendet haben sollte, wird es für die Häscher der GEZ, bzw. den Hintermännern in den Anstalten, womöglich noch schwieriger, etwas zu unternehmen. Denn man wird ja wohl die Abkürzung von «G eh´ Einfach Zahlen» auf einen Brief schreiben dürfen, oder? Insbesondere, wenn man extra mit Umrisslinien arbeitet, damit es unzweifelhaft keine Verwechslung mit dem offiziellen GEZ-Logo geben kann. 

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