Werbung für die Werbung
08.04.2010

Ein nicht bezifferter Teil der Rundfunkgebühren wird von denöffentlich-rechtlichen Anstalten mittlerweile in Werbung investiert. AnBushaltestellen und Großwerbeflächen prangen die Angebote der angeblichbesseren Sender von den Wänden, die es wohl nötig haben. Insbesondere, wenn mandamit womöglich eine Refinanzierung flankieren will.
Der NDR hat eine „Frühstückscomedy“, die offiziell morgensum 7:17 Uhr gesendet wird und – weil´s so toll ist – den Tag über (gefühlt „stündlich“)wiederholt wird. Dafür hat der NDR eine Comic-Figur zeichnen lassen, mitdem offenkundig auf den Schock-Effekt gesetzt wird. Oder ein Vorurteil befeuertwerden soll, dass Frauen in Schnellimbissbuden blond sind und aussehen, wie einauf dem Bräter vergessener Kartoffelpuffer. Mit der entsprechenden Auswirkungauf die Intelligenz. Zusammen mit den weiteren Protagonisten der werktäglichenzwei Spaßminuten könnte man „Frühstück bei Stefanie“ als Prekariatskonkurrenzzu DSDS von RTL bezeichnen.
Zugegeben: Es ist unterhaltsamer und intelligenter gemacht.In jeder Hinsicht. Denn wenn sich die Zuhörerschar auf wenige Tagesminutenbündelt, muss man diese Zeit optimieren. So einen Hahn hatte der WDRschon in den 1950ern im Korb. Der nannte sich Clemens Wilmenrod und war der erste Fernsehkoch –zumindest spielte er ihn, denn in Wahrheit war er Schauspieler. Und derstolperte über seinen Geschäftssinn: Er platzierte Produkte in seinen Sendungen, dieüblicherweise tags darauf bundesweit ausverkauft waren. Der NDR hat das 2009mit einem Film über Wilmenrod thematisiert. Und sich offenbar die Fragegestellt, ob das heute auch noch funktionieren würde. Nicht so dummdreist wiedamals – da gäbe es sofort Ärger. Aber hin und wieder mal ein Produktname, inder stark beworbenen Morgensendung platziert, das müsste doch für Cola und Cointeressant sein und die Produktionskosten der Morgenbespaßung wieder einspielen.Mit häufigen Wiederholungen wird die Botschaft unterschwellig einmassiert,womit es das perfekte Format für die Werbewirtschaft ist.
So freuen sich die Firmen Vileda und das Produkt „Swiffer“über die Sendung vom 24.03.2010, die Coca-Cola Company weist am 26.03.2010 aufihr Alternativgetränk Sprite hin, Fissler und Metro haben ihren Auftritt am29.03.2010 und Lindt – die mit dem Goldglöckchen – passend zu Ostern am30.03.2010. Am 06.04.2010 wird mit Advocat ein wohlwollender Tipp gegen das Entzugszittern am Morgen gegeben.
Es ist nicht unsere Aufgabe, dem NDR die Produktplatzierungennachzuweisen. Ob dafür Geld fließt, wissen wir nicht. Allerdings wäre es beider Cleverness der öffentlich-rechtlichen Sender überraschend, wenn nicht. Denn„Sprite“ ist „eine Limo“, eine „Pfanne aus dem Großmarkt“ könnte problemlos dasFisslerprodukt der Metro ersetzen und ein Schokohase muss kein Goldglöckchenhaben. Wenngleich die Präsentation wie eine kritische Auseinandersetzung mit denProdukten daherkommt, ist es dem Zuhörer egal, ob der Hase ein Kaninchen ist.Schmecken muss er. Und das tut er wohl, wenn Stefanies Frühstücksrunde darübersinniert. Darauf einen Advo… , äh – Schnaps!
Die zitierten Schleichwerbungen des NDR finden Sie (Stand:8.4.2010 ) hier:
- Vileda, Swiffer (24.03.2010)
- Sprite (26.03.2010)
- Fissler, Metro (29.03.2010)
- Lind (Goldener Schokohase mit Glöckchen, 30.03.2010)
- Advocat (06.04.2010)
Nachtrag: Heute gab es wieder Schleichwerbung. Für Sinalco und Sanyo. Die steht abererst morgen im Netz bzw. in der Mediathek des NDR (Langzeitwerbung, wie in den Podcasts), daher ist das hier nicht weiter erwähnt.
Das oben eingefügte Bild stammt von dieser NDR Seite und wird lediglich zur Untermauerung der im Artikel getroffenen Aussagen verwendet (s. Wikipedia).

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