„Stefanie“ werbefreie Zone?

23.04.2010

Das Antwortschreiben
Das Schreiben des NDR 2

Der NDR hat auf unsere Kolumne vom 8.4. mit einem Schreiben reagiert, dass wir unseren interessierten Lesern nicht vorenthalten möchten. Darin wird – wer hätte es gedacht – unsere Vermutung des Product-Placements energisch bestritten. Auch gingen die Hörer nunmal zu Aldi und Lidl – das sei „abgebildete Lebenswelt“. Warum dann die Großhandelskette Metro Erwähnung findet, bleibt unklar.

Natürlich kann eine Comedy aus dem Alltagsleben heraus nicht immer produktneutral gehalten werden, wenn es nicht gestelzt wirken soll. Insbesondere, wenn es einen konkreten Produktbezug gibt (worauf Herr Engel ausführlich herumreitet). Allerdings ist es – zumindest in unserer Lebenswelt – nicht unbedingt üblich, mit Sinalco-, sondern einfach nur Flaschen zu werfen. Sogar in der Tagesschau (aus demselben Haus) werden nur Steine von Brücken geworfen, nicht Sandstein, Granit oder gebrannte Ziegel. Beim NDR 2 ist man dagegen markenbewusst und wirft nicht mit Allgemeinplätzen, ergo nicht einfach mit Flaschen um sich. Das verlangt wohl die journalistische Sorgfalt, dass eben nicht mit „irgendeiner“ Flasche geworfen wurde. Ob diese Präzisierung am Kopf des Getroffenen einen Unterschied macht, wurde – wie fahrlässig – von den Redakteuren nicht untersucht.

Dass die Serie dennoch lustig und unterhaltsam ist, wurde unsererseits nicht in Abrede gestellt. Aber die Nähe der Rätsel von Opa Gerke mit dem Wort „dämlich“ wurde vom eifrigen Herrn Engel zu unserem Bedauern nicht als hintergründig erkannt, so wie es seinerseits von den Zuhörern verlangt wird, die hintergründigen Lösungen zu erkennen. Denn zumindest in unserer Lebenswelt – die lt. Herrn Engel ja der Zuhörerwelt von Stefanie entsprechen soll – schlägt man sich schon mal mit der Bemerkung „oh Mann wie blöd ist dass denn!“ an die Stirn und lacht sich dann schlapp. Aber Herr Engel schreibt ja ausdrücklich, dass Allgemeinwissen und Realitätsnähe der Zuhörer Voraussetzung zum Verstehen sei.

Wenn er dann abschließend davon spricht, dass nicht flächendeckend, sondern nur in einigen Regionen des Sendegebiets geworben worden sei, eben auch in Braunschweig, erlauben wir uns die Anmerkung, dass Braunschweig die zweitgrößte Stadt Niedersachsens ist. In Hannover (größte …) haben sicher ebenfalls Plakate gehangen. Wie es in Osnabrück, etc. aussah, wissen wir nicht. Aber in der Werbewirtschaft ist „flächendeckend“ das Synonym für „maximale Reichweite“. Die wird da erreicht, wo viele Menschen sind. Die ballen sich nun mal in großen Städten. Und es wäre ja wohl definitiv nicht lebensnah, Plakatwerbung nur in einer Stadt zu machen, oder?

Anmerkung: Das Schreiben des NDR 2 erreichte uns bereits vor einer Woche. Allerdings hat Eyjafjallajökull auch uns aufgemischt. Der Medienbeauftragte saß in Rom fest. Begleitet wurde dessen Zwangslage informell vom ZDF. Dazu nächste Woche mehr.

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