Rendite
10.01.2010
Aus wenig Geld viel machen – der Traum jedes Börsianers. Dass es viel einfacher geht, zeigen uns die «Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland», besser bekannt als ARD.
Wie groß die Rendite ist, lässt sich nur schwer errechnen. Allerdings kann als gesichertangenommen werden, dass die Investition von 30.000 € fürdie ARD mittelfristig Millionen, vermutlich sogar Milliarden sichert. Denn für 30.000 € kann man eine „App“ programmieren lassen. Das ist ein Progrämmchen, das auf einemiPhone des Herstellers Apple installiert werden kann. Da gibt es so sinnfällige wie „I am rich“,oder anderes, was man so täglichbenötigt. Oder zumindest glaubt, dass man es braucht. Die ARD steht auf dem Standpunkt, dass der iPhone Benutzer ein «Tagesschau-App» braucht. Damit das Bedürfnis von möglichst vielen gestillt wird,gehen die öffentlich-rechtlichenAnstalten aber auf Nummer sicher: Die Anwendung soll es kostenlos geben. Und Nutzern mehr bieten, als „Normalos“. Die werden zwar für die Finanzierung dieses aktuellen Experiments beansprucht,aber bloß weil man etwas bezahlt, muss man ja nichts davon haben. Das ist alt-ehernes Prinzip der Anstalten.
Fraglos wäre es eine echte Unverfrorenheit, wenn das gebührenfinanzierte Programm denAnwender noch weitere Kosten abnötigen würde. Wird es sowieso, denn die Verbindung vom Content zum Telefon wird sich der Anbieter in irgend einer Form bezahlen lassen. Die unbekannte Summe in Euro, die das Aufbereiten und Offerieren der Inhaltefür die «App» kostet, ignorieren wir mal geflissentlich. Den Umstand, dass damit nur eine Minderheiterreichtwird, nämlich nur iPhone-Benutzer, ebenfalls. Dass die üblicherweise Technik-affin sind und überFlachbildfernseherab 42“ (über ein Meter) Bilddiagonale, High-Speed DSL und anderen medialen Schnick-Schnack verfügen,ist allenfalls eine Randnotiz. Bemerkenswert ist der pfiffige Invest, den die ARD mit der «Tageschau-App» tätigen.
Die Anwendung mag zwar kostenlos sein. Doch selbst ohne genauere Kenntnis, was sich dahinter wirklichverbergenmag, gehen wir davon aus, dass man sich zumindest registrieren muss. Über die Nummer des Telefons und die Verbindungsprotokolle lässt sich unzweifelhaft belegen, wer mit dem iPhone Mikimaus-Tagesschau ansieht. Oder ansehen will – denn die Installation der «Tagesschau-App» ist zumindest eine unbestreitbareWillensbekundung.Wer installiert denn Sachen, die gar nicht benutzt werden oder gar nutzlos sind? Getreu dem Motto „Ich verdiene es“, reibt sich der ARD-Subunternehmer GEZ die Hände. Denn wer die Tagesschau auf dem Mobiltelefon ansieht, der nutzt es bestimmt – jedenfalls verdachtsweise – gewerblich. Und dafür ist Rundfunkgebühr fällig.
Doch der eigentliche Trick der Anwendung liegt auf einer ganz anderen Ebene. Das ist eine politische.Statistisch lässt es sich erheblich eindruckvoller ausrollen, welche Prozentanteile die Anwendung bei iPhone-Nutzern erreicht.Wir können uns schöngefärbten Worte in einer kommenden „ARD/ZDF-Onlinestudie“ vorstellen, die den Beweis führen sollen, wie viele „Bürger“ („die ein iPhone benutzen“ wird ausPlatzgründen gestrichen) das Angebotder Rundfunkanstalten im „Internet“ nutzen. Insbesondere könnte sich damit eindrucksvoll darstellen lassen, dass nicht nur 62% „irgendwas Mediales“ ansehen, wie die Online-Studie 2009 angibt und dabei dieFrage unbeantwortet lässt, welchen – mutmaßlich verschwindend geringen – Anteil dasöffentlich-rechtliche Sortiment daran hat. Sollte die Anwendung bei den iPhone-Nutzern keine nennenswerte Resonanz erzeugen, werden wir das ebenfalls lesen können. Nämlich zwischen den Zeilen, wenn es dazu keinen Kommentar gibt.
Allerdings ist der Invest der ARD in jedem Fall clever. Denn sollte es nur annähernd brauchbares– im Sinne von für die eigenen Zwecke positives – statistisches Material geben, ist die «Tagesschau-App» eingenialer Schachzug. Die Menge der potenziellen Nutzer ist technisch betrachtet überschaubar. Ganz im Gegensatz zu dem unkalkulierbarenRisiko, dass die Bürger tatsächlich dasInternet-Angebot so nutzen könnten, wie es die frohlockenden Online-Studiender Anstalten glauben machen. Und damit lässt sich dann das Zahlenmaterial aufbereiten, mit dem eine Internetsteuer für die Anstalten festgeschrieben werden soll. Weil es ja den vermeindlich unverkennbaren Trend weg vom„normalen“Rundfunkempfänger zum Internet gibt. Dass die «Tagesschau-App» dabei lediglich„Minderheitenfunk“ und keinesfalls „Rund“-Funk ist, ist ein statistisches Detail, das nur Leute stören kann, die überdas „echte“ Internet Rundfunk hören wollen. Und genervt sind, weil der Stream wenigstens einmal pro Stunde abreißt und sich dann nur schwer bis gar nicht wieder aufbauen lässt. Das ist nämlich die tägliche Internet-Realitätfür Otto-Normalbürger.Aber wenn man nicht danach fragt, stört das die Statistik nicht. Denn wer sagt, dass ein Angebot tatsächlich funktionieren muss (s.o., eherne Regel…).
Sollte dieser Weg nicht funktionieren, ist die Kasse ja mit unseren Gebühren reichlich fürweitere Experimente gefüllt,mit denen man die Schröpftechnik der Bürger – mit ihrem Geld finanziert – optimieren kann.Zumindest in diesem Punkt beweisen die öffentlich-rechtlichen Anstalten eine unerschöpfliche Kreativität.
