Wofür ?
Wir haben uns einmal auf die Pirsch begeben und versucht, alle Web-Auftritte aufzuspüren, die mit GEZ-Geldern finanziert werden. Die Liste (s.unten) ist beeindruckend (Falls wir was übersehen haben: Bitte mitteilen). Wir haben uns das mal genauer angesehen.
Was ist „Grundversorgung“?
Beim Frühstück wäre das Butter, Brot, Marmelade, Kaffee/Tee. Bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendern ist das ein üppiges Buffet mit 84 Sendeanstalten (Stand: 31.12.2006). Vom „Radio für die Infogesellschaft“, über „rocken, poppen, dancen“ bis hin zum „Kulturerlebnis“ ist alles dabei.
Übertragen auf den Frühstückstisch: Von der Ananas-Marmelade über Kaviar bis zur Zimt-Mousse können wir bis zur Übelkeit schlemmen. Wohlgemerkt: In der Grundversorgung. Fragen Sie mal einen Harz-IV-Empfänger, was bei ihm morgens als staatlich zugstandene Grundversorgung auf dem Tisch steht.
Wie die „Standard“- oder gar die „Luxus“-Versorgung der Rundfunkanstalten aussehen könnte, traut man sich jetzt schon gar nicht mehr fragen.
Kosten
Lt. Rundfunkstaatsvertrag steht für die Online-Auftritte der Sender ein Gesamt-Budget von 0,75% der Rundfunkgebühren zur Verfügung. Mehr darf es nicht sein. Bei rund 7 Milliarden (7.000.000.000) Euro sind also 52,5 Millionen (52.500.000) Euro im Topf. Für jeden Webauftritt sind das 625.000 Euro. Das muss für ein Jahr reichen. Und zwar für
- Gehälter
- Webmaster, Online-Redakteure, Designer, etc.
- Hardware, Software
- Server, Bildschirme, Rechner, Bildbearbeitungsprogramme, Schnittprogramme, etc.
- Betriebskosten
- Strom, Leitungsgebühren, Traffic, Versicherungen, Lizenzgebühren (GEMA), etc.
Die Annahmen sind auf das Minimum gerechnet. Allerdings erfordert bereits eine grottenschlechte „Qualität“ über 20% mehr Datenvolumen, wie unser Screenshot von hr3 belegt (32KBit = 4000Byte =3,9 kB):

Mit den entsprechenden Konsequenzen auf das Rechenergebnis.
Besonders spannend ist die Position „Traffic“. Grob geschätzt ist für Musik mit minimaler Klangqualität ein Datenstrom von rund 3KB/s erforderlich, also rund 10MB pro Stunde. Damit können rund 102 Hörer eine Stunde lang Radio hören, während sie 1 GB Datenstrom vom Server ziehen. Wenn ein GB Datentransfer 3 Euro kostet, kosten diese 102 Hörer den Sender, wenn sie pro Tag acht Stunden Programm hören, 720 EUR im Monat.
Aber — seien wir ehrlich — 102 Teilnehmer ist ja kein „öffentlicher Rundfunk“. Das sind ja weniger Besucher als bei einer Dorfdisko. Nehmen wir mal 40.000 Hörer. Für die kostet allein der Traffic rund 280.000 EUR im Monat, also rund 3,4 Mio. EUR im Jahr. Uups: Das ist ja viel mehr, als ausgegeben werden darf! Und es ist noch kein Mitarbeiter bezahlt, keine Software gekauft und der Strom fällt vom Himmel.
Einwände?
Jetzt könnten Sie sagen: Hallo! 40.000 Hörer sind doch Quatsch. Stimmt. 40.000 Hörer für jeden der 61 Radiosendern (nur mal das zugrunde gelegt), sind gerade mal 2,44 Mio. Bei 82,5 Mio. Bundesbürgern ist das Peanuts. So gesehen müssen es deutlich mehr sein, weil sonst wäre es ja wohl kaum zu rechtfertigen, dass alle GEZ-Teilnehmer für ein paar Wenige zahlen müssen. Dann entstehen natürlich noch mehr Traffic und Vorhaltekosten (Hardware, etc.). Wenn wir von 100.000 Hörern pro Sender ausgehen (gerade mal rund 6 Mio., immer noch Peanuts), haben wir allerdings rund 705.000 EUR Traffic-Kosten pro Monat. Dann wäre es — würde der Staatsvertrag von den Sendern eingehalten — bereits nach rund einem Monat still und dunkel im ÖR-Web, weil das Budget ausgeschöpft ist!
Fazit
Das Online-Angebot der Öffentlich-Rechtlichen Sender muss gemieden werden. Denn wenn ein zu großer Zuspruch darauf erfolgt, müssen die GEZ-Gebühren drastisch erhöht werden, damit die 0,75%-Grenze nicht überschritten wird. Oder die bösartigen Nutzer der bezahlten Dienstleistung treiben die Sendeanstalten in einen Verstoß gegen den Staatsvertrag. Was passiert dann eigentlich?
Wir nehmen also notgedrungen hin, dass es sich bei Webradio und Webfernsehen um eine äußerst teure Spielerei der Intendanten handelt, die wir zwar gezeigt bekommen und bezahlen „dürfen“, aber — weil irgendwer muss ja vernünftig sein — besser nicht nutzen. Im Interesse niedriger Gebühren.
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